34. Opernfestspiele: Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“ in der Stiftsruine

Der Regent als Wohltäter

Turbulent: Lisa Rothländer (Blondchen) und Jannes Philipp Mönnighoff (Pedrillo) geben sich ausgelassen auf der Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine. Foto:  Hartmann

BAD HERSFELD Ein Schiff ist gekommen. „Carmen“ heißt es und verweist damit witzig auf die tags zuvor am selben Ort abgehaltene Premiere von Bizets Oper. Die Stiftsruine in ist Kulisse genug, ein paar Zäune, ein paar Pflanzen, mehr braucht es nicht, um Mozarts heiteres Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ (Regie: Hugo Wieg) in Gang zu bringen.

Wie gut, dass es keine Opera seria ist, denn dann wäre es wohl um die Köpfe der Europäer geschehen. So darf der türkische Regent kurz vor Ende zum Wohltäter werden, der auf die Rache verzichtet und den vier Gefangenen und deren gescheitertem Entführer Leben und Freiheit schenkt.

Halbvolle Ränge

Zwar war es in den nur halb besetzten Reihen kühl, doch der Zauber der sich niedersenkenden Dämmerung wirkte.

Musikalisch bot die gefeierte Premiere ein gutes Niveau. Unter der Leitung von Michael Stolle spielten die Virtuosi Brunensis aus Brünn mit Glanz und großer Sicherheit. Blech, Holz und Schlagzeug hatten prächtige Szenen.

Mit Gunther Emmerlich hatte die Leitung der Hersfelder Opernserie einen Star eingeladen, der in der Sprechrolle des Bassa Selim raumfüllend auftrat.

Die Sängerinnen und Sänger waren, wie meist in Hersfeld, aus der heranwachsenden Generation.

Da gab es erfreuliche Entdeckungen zu machen. An erster Stelle Lisa Rothländer, die als Blondchen nicht nur quirlig spielen, sondern auch sehr perlend und rein singen konnte. Den aufdringlichen Osmin (Marcus Weishaar überzeugend mit hellem, tragendem Bass) wickelte sie so prächtig um den Finger.

Sujin Lee sang die Konstanze in den Höhen sicher, wenn auch etwas spitz, in den Tiefen sehr warm und weich. Allerdings war kaum zu erahnen, in welcher Sprache sie sang.

Das war bei Pedrillo (Jannes Philipp Mönnighoff) kein Problem, der besonders im Lied „Im Mohrenland“ glänzen konnte. Allein Florian Voss als Belmonte hatte mit seiner Partie im Ganzen und mit der Intonation im Speziellen arg zu kämpfen.

Der Hersfelder Festspielchor in prächtigen orientalischen Gewändern machte seine Sache gut. Die Choreografie darf noch etwas geübt werden.

Ein schöner Moment am Schluss: Traurig schaut Osmin dem abreisenden Schiff nach. Er ist der Verlierer des Abends.

Von Johannes Mundry

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