Vertrauliches Papier belegt den Umgang des Bürgermeisters mit dem Intendanten

Elf Regeln für Freytag

Bad Hersfeld. Durch ein Versehen des Fachbereichs Kultur sind jetzt die sogenannten „Spielregeln“ öffentlich geworden, die Bürgermeister Thomas Fehling für Intendant Holk Freytag vorgesehen hatte, um das Miteinander zu regeln.

Das Papier, das von Fehling verfasst wurde und eine Art „Verhaltenskodex“ für Freytag beinhaltet, wurde versehentlich als Anhang zum Protokoll der Festspielkommission an alle Mitglieder des Gremiums verschickt. Wenig später wurden diese vom Bürgermeister aufgefordert, den Anhang zurückzuschicken. Das Papier liegt unserer Zeitung vor.

So wurde nun bekannt, in welcher Form Fehling Dienstanweisungen an den Intendanten gibt. So heißt es unter anderem, „Herr Freytag wird sich zukünftig strikt an den geschlossenen Vertrag halten.“ Er werde künftig keine „Konkurrenzveranstaltungen“ zu den Festspielen mehr veranstalten. Gemeint sind damit vermutlich das „Fest der Demokratie“ und die lange Nacht der Kirche, die Freytag gemeinsam mit anderen in der Stadtkirche ausgerichtet hatte. Ferner wird Freytag aufgefordert, gemeinsam mit der städtischen Festspielverwaltung einen Geschäftsverteilungsplan zu erarbeiten „in dem auch das Rollenspiel in Sachen Marketing/Werbung klar geregelt wird“.

Eisiges Verhältnis

Während diese Punkte wie auch einige zeitliche Fristvorgaben aus Sicht der Stadt nachvollziehbar sind, zielen andere Punkte des Papiers auf ein Wohlverhalten des Intendanten hin und machen deutlich, wie eisig und zerrüttet das Verhältnis Fehlings zum Intendanten ist.

„Er (der Intendant) unterlässt jede Form der Rufschädigung des Bürgermeisters oder anderer städtischer Mandatsträger oder Gremien“, heißt es in Punkt fünf. Danach: „Er wird sich gegenüber dem städtischen Personal und dem Bürgermeister jederzeit freundlich und respektvoll verhalten.“ Oder: „Auf Schreiben des Dienstherren (gemeint ist der Bürgermeister), wird Herr Freytag innerhalb einer Woche antworten“.

Pikant auch die Formulierung: „Er wird das sich in Erstellung befindliche Betriebskonzept der Bad Hersfelder Festspiele als Arbeitsgrundlage für die weitere Dienstzeit akzeptieren.“ Dieses Konzept ist allerdings noch gar nicht bekannt. Ursprünglich wollte es Fehling nach den Wahlen Ende September vorstellen. Auf Wunsch der Fraktionen soll es nun aber erst nach der Haushaltsvorstellung präsentiert werden. Bürgermeister Fehling bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung den versehentlichen Versand des vertraulichen Papiers.

Er stellt aber klar: „Die Mitglieder der Festspielkommission unterliegen wie der Magistrat einer besonderen Schweigepflicht. Die Weitergabe eines internen Papiers an die Medien stellt eine gravierende Pflichtverletzung dar und kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Das Papier sei ein internes „Arbeitspapier“ für das mit dem Intendanten am 18. September im Beisein der Rechtsanwälte geführte Gespräch. Es umfasse die Erwartungen des Bürgermeisters an die Aufgabenerfüllung durch den Intendanten: „Leider ist mit Datum heute festzustellen, dass einige Punkte immer noch nicht erfüllt sind beziehungsweise eingehalten wurden, obwohl sie sogar Bestandteil des Intendantenvertrages sind.“ (kai) Text rechts

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