Die evangelischen Kirchengemeinden in Hersfeld feiern gemeinsam mit Chören

Die Reformation geht weiter

Der evangelische Kinderchor aus Kirchheim gestaltete den Reformationsgottesdienst mit. Foto: nh

Bad hersfeld. Es war einerseits wie früher, und andererseits ganz anders. Anlässlich des Reformationstages kamen Menschen in der evangelischen Stadtkirche zum festlichen Kantatengottesdienst zusammen.

Es wurde das alte „Trutzlied“ der Reformation, „Ein feste Burg ist unser Gott“ gesungen. Insofern war es wie schon so viele Jahre zuvor. Und doch waren es in diesem Jahr über 1400 Menschen, die zusammenkamen, und zwar aus dem gesamten Kirchenkreis Hersfeld und auch darüber hinaus. Es schloss sich eine Nacht der Chöre an, an der auch Chöre aus dem ganzen Kirchenkreis mitwirkten – vom Kinderchor bis zur Kantorei.

Verkündigung in Liedern

Einer der wichtigen Impulse der Reformation sei die Beteiligung der Gemeinde an der Verkündigung gewesen, so erläuterte Prof. Dr. Dr. Johannes Schilling aus Kiel, der die Predigt hielt. Mit Blick auf Psalm 46 habe das Lied Luthers neue Maßstäbe gesetzt. Es habe den lebendigen Gott in die Herzen der Menschen geholt und die Menschen dazu gebracht, Gott als ihren Gott zu bekennen und zu feiern – mit Herz und Verstand. Schilling ging auch auf die abgrenzende Wirkung des Liedes ein, das als Kampflied der lutherischen Bewegung gegen Katholiken und Calvinisten diente. Von Heinrich Heine wurde das Lied deshalb spöttisch „Marseillaise der Reformation“ genannt. Nur besäße es für ihn heute einen verbindenden Charakter: Den Gott, der uns in Christus begegnet, als gemeinsames Fundament aller christlichen Konfessionen zu feiern und zu verkündigen.

Wilde Rhythmen

Vor der Aufführung der Kantate „Ein feste Burg“ von Johann Sebastian Bach erläuterte Landeskirchenmusikdirektor i.R. Martin Bartsch Besonderheiten dieser Bachkantate. Besonders eindrücklich sprach er von dem Streitgesang der Solisten, dem Tanzrhythmus der Arie vom Herzenshaus, dem anschließenden als teuflischen Tanz gestalteten Rezitativ und dem Gipfel der Kantate, dem finalen Chor, der mit der Aufforderung „Das Wort sie sollen lassen stahn“ beginnt. Anschließend sang die evangelische Kantorei an der Stadtkirche die Kantate unter der Leitung von Bezirkskantor Sebastian Bethge. Im Anschluss an den Gottesdienst setzte sich das Lob Gottes in Form der Nacht der Chöre fort, bei der Dekan Brill durch das Programm leitete.

Die Menschen bekamen einen Eindruck hiervon, dass die Reformation weitergeht. Und dass sie durch die Herzen, Sinne und Münder der Menschen geht: beim Singen, beim Beten, beim Feiern. Insofern war die Veranstaltung ein erfolgreicher Beginn, den Gedanken der Reformation weiterzuschreiben und ihn direkt unter den Menschen hier vor Ort Gestalt werden zu lassen. (red/mbu)

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