Kreisverkehrwacht kritisiert Änderung der Verkehrssünderkartei

Reform verleiht Rasern Rückenwind

Hersfeld-Rotenburg. Kritisch-distanziert reagiert Rainer Nemnich, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht Hersfeld-Rotenburg, auf die Vorschläge von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), die Verkehrssünderkartei zu reformieren. Nemnich, in Fragen der Verkehrssicherheit auch Kolumnist unserer Zeitung, betont zwar, dass eine offizielle Stellungnahme seines Verbands noch aussteht. Doch habe er mit einigen Mitgliedern schon gesprochen, die seine Kritik teilten.

„Das ist eine Ungleichheit in der Bewertung der Straftaten. Raser werden bevorteilt – Rotlichtsünder härter be-straft“, urteilt Nemnich. Wer das Rotlicht einer Ampel überfährt, soll künftig zwei Punkte bekommen. Zwei Punkte sollen bei Temposündern erst anfallen, wenn sie innerorts 31 km/h und mehr zu schnell fahren.

Allerdings: Rotlichtkameras an Ampelanlagen gebe es im Kreis Hersfeld-Rotenburg kaum, sagt der Verkehrsexperte. Blieben die Geschwindigkeitskontrollen, die Polizei und Ordnungsbehörden vornähmen. „Hier werden sich kaum Änderungen gegenüber heute ergeben“, sagt Nemnich. Er kritisiert zudem: „Das bisherige System war in seiner Sanktionsfähigkeit deutlich überschaubarer, und diese Überschaubarkeit sollten wir dem Kraftfahrer belassen.“ Nemnichs abschließendes Urteil fällt vernichtend aus: „Die angedachte Neuregelung ist so überflüssig wie ein Kropf.“

Keine Bewertung der Ramsauer-Vorschläge möchte Manfred Knoch, Sprecher der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg, abgeben. Doch der Kritik der Gewerkschaft der Polizei an „verlotterter Verkehrsmoral“ stimmt Knoch zu.

„Jeder beharrt im Straßenverkehr auf seinem Recht, es wird immer weniger Rücksicht genommen“, kritisiert er. „In der 70er-Jahren gab es mal eine Aufkleberaktion: Hallo Partner, danke schön! Davon ist auf den Straßen heutzutage nichts übriggeblieben.“ ZUM TAGE

Von Rainer Henkel

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