Die Rede des Feuermeisters

Bad Hersfeld - Liebe Lollsschwestern, liebe Lollsbrüder!

Das Lolls-Jubiläumsjahr ist nun fast schon voll.

Es war nicht nur spitze - es war einfach toll.

Mein Namensvetter Wilfried vom Lolls-Dezernat

hat auch im Jubeljahr 1160 nicht an Attraktionen gespart.

Ihm und seinen Helfern verdanken wir dieses herrliche Lolls,

deshalb für Wilfried und seinen Getreuen ein

donnerndes Enner, zwoon, dräi - Bruder Lolls!

Worteich soll meine Rede sein.

Beim Stichwort „wortreich“ fällt mir gerade

etwas ein.

120 000 Besucher waren geschätzt,

wer hat eigentlich wem diesen Floh ins Ohr gesetzt?

Sagen wir es erst einmal noch gnädig,

60 000 waren’s zu wenig.

Das kann selbst bei bester Wirtschaftslage nicht klappen,

da muss nun die Stadt den Ausgleich berappen.

Von dem norddeutschen Mitbetreiber hat man sich getrennt,

der behauptet doch glatt:

„Die Stadt hat die Vermarktung verpennt.“

Jetzt machen den Job Bürgermeister Fehling und Kurdirektor Mayer.

Eins steht da fest: In ihren Entscheidungen sind sie nun freier.

Enner, zwoon, dräi - Bruder Lolls.

Doch nun zu unserem Spar-Stadtoberhaupt.

Was hat der von unseren Grünanlagen geglaubt?

Sollen die wachsen von alleine?

Arbeitskräfte für die Pflege brauchen wir keine?

Unsere schönen Parkanlagen verwildern,

nichts sieht mehr so aus wie auf Hersfelds Prospektbildern.

Doch meterhohe Disteln sind auch ein grünes Kraut

und diese stacheligen Dinger werden nachts auch nicht geklaut.

Auf unsere „grüne“ Kurstadt waren einst wir stolz,

deshalb nur ein trauriges Bruder Lolls.

Paten sollen sich melden mit Hacke und Spaten,

anschließend schnell ein Foto zur HZ wie bei so manchem Parteisoldaten.

Greift mal ein Anwohner zur Unkraut-Spritze,

wird er noch beschimpft: „Das Gift zieht in jede

Ritze.“

Der Schilde-Park wurde zum Glanzstück der Innenstadt,

ob man wohl für den genug Gärtner hat?

Das „Konrads“ ist nun auch gescheitert,

zehn neue Bewerber solls schon geben,

liest man in der HZ erheitert.

Die wunderschönen Königs-Statuen im Stiftsruinenbereich,

eine tolle Idee von unserem Stadtrat D. Göbel,

sie hielten nicht lange,

wurden zerschlagen von einem widerlichen Pöbel.

Die Reparatur der Statuen hat nichts gebracht,

weiterer Vandalismus in einer folgenden Nacht.

Die Zerstörer fühlen sich wohl stark und stolz,

doch ihnen nur ein beschämendes Bruder Lolls.

Was sich sonst noch in unserer Lullusstadt im

vergangenen Jahr so zugetragen hat,

das streife ich mal kurz und knapp.

Das Tagebergfest der Feuerwehr,

nach 130 Jahren gibt’s nun nicht mehr.

Ersatzweise in der Feuerwache

wurde gefeiert; das soll Tradition sein?

Dass ich nicht lache!

Toller Auftritt beim Hessentag,

Bad Hersfeld war mal wieder stark.

Alle Akteure waren mit Spaß dabei,

doch von den Zuschauern kam viel Geschrei.

Wo kommt ihr denn her, wo gehört ihr denn hin?

Wo bleibt denn hier das Marketing?

Kein Schild, kein Hinweis auf Bad Hersfeld,

wer hat das nur so zusammengestellt?

Enner, zwoon, dräi - Bruder Lolls.

„Entschuldigung, wo ist denn hier der

Schilde-Park?“

werde ich von Fremden oft gefragt.

Es gibt kein Hinweisschild hier bei uns im Ort.

„Am besten fahren Sie da lang,

Sie finden ihn dann DORT.“

Innerstädtische Leitsyteme gibt’s zum Schilde-Park

hier keine,

sie sind geplant, das wäre das Eine,

oder muss da der Gutachter her für Geld,

wer wird das denn abgsegnen,

wenn der wird bestellt?

Die Windkraft auf dem Wehneberg

- mal viel, mal wenig Wind dort weht,

wenn ständig das Gutachter-Karussell sich dreht.

Was an Natur dort wird zerstört,

kann nur beurteilen, wer das versteht!

Enner, zwoon, dräi - Bruder Lolls.

An einer Einfahrt zu unserer Stadt,

man nun einen Riesenbildschirm hat.

Bei Friedrich auf der Scheibe,

hat viel Info seine Bleibe.

Ein Höhepunkt wie alle Jahr

auch diese Festspielzeit wieder war.

Holk Freytags Mimen bekamen viel Applaus

vor meistens voll besetztem Haus.

Europa spart - das ist sehr hart, Staatsinsolvenzen

über alle Grenzen.

Doch davon merkt man nichts bei unserem

Lullusfeste,

die jährliche Freiverlosung lockt viele Gäste.

Es wird eine Leiter ohne Ende,

denkt doch mal nach an eine Wende!

Der Hauptpreis steigt ins Uferlose,

für so eine 30 000 Euro teure Dose!

Früher hat man sich gefreut

über’n Fahrrad oder ’nen Motorroller, ihr Leut.

Nach oben gibt es kaum noch Grenzen,

wie soll das alles nur noch enden?

Enner, zwoon, dräi - Bruder Lolls.

Am Lollsmontag schon sorgte für Verdruss

des Alkoholes Überfluss.

Mit vollem Rucksack gings zum Fest,

und aus mitgebrachten Flaschen gab man sich den Rest.

Leute, das ist wirklich nicht mehr heiter,

so kann das gehen nicht mehr weiter.

Meinen Freunden von der Reise nun noch vielen Dank.

Euch gelingt es jedes Jahr aufs Neue,

alle zu begeistern.

Im Jubiläumsjahr ging’s wahrhaft rund,

unser Lolls ist auch durch euch in aller Mund.

Enner, zwoon, dräi - Bruder Lolls.

Doch nun zum Ende, es wird schon spät,

zwölf Lollsjahre habe ich den Feuermeister geprägt.

Es hat mir immer großen Spaß gemacht,

hat mir viel Freude und auch Ärger gebracht.

Doch alles im Leben hat einen Schluss,

ich gebe das Amt ab - ganz ohne Verdruss.

Es gibt in unserer schönen Lullusstadt

junge Handwerksmeister satt.

Lasst einen neuen Mann in den Posten gehen,

der macht das bestimmt gut, ihr werdet schon sehen.

Das Fierche brennt statt groß nun klein,

es soll jetzt auch sein diesjähriges Ende sein.

Wir haben der Tradition die Ehre gemacht

und hier an manche Begebenheit gedacht.

Lollsgenossen! Bürgersleute!

Unsere schöne Lullusfreude,

die uns heilig ist und teuer,

unser einzig Lullusfeuer

soll mit Wasser und mit Erden

ausgelöscht, begraben werden.

Was den Flammen ward zum Raube,

Asche ward - bedeckt vom Staube,

soll nun 358 Tage ruh’n im dunklen Schoß der Erde,

bis ein neuer Lolls-Tag werde.

Schüttet in den Flammenschein

nun des Wassers Todesstrahl,

und mit Erde decket ein Feuer und verkohltes Holz,

während wir zum letzten Mal rufen unser Bruder Lolls!

Enner, zwoon, dräi - Bruder Lolls!

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