Rede von Bürgermeister Thomas Fehling zur Eröffnung der 62. Bad Hersfelder Festspiele

Bad Hersfeld. (Es gilt das gesprochene Wort) - Sehr verehrter Herr Präsident des Europäischen Parlaments Schulz, lieber Herr Staatsminister Rentsch, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Europäischen Parlamentes, des Deutschen Bundestages und des Hessischen Landtages, Ihre Exzellenz der Botschafter von Ungarn in Deutschland, Herr Landrat Dr. Schmidt, werter Herr Bischof Dr. Hein, hochverehrte Ehrengäste, meine geschätzten Damen und Herren, herzlich willkommen zur Eröffnung der 62. Bad Hersfelder Festspiele.

Ich darf Ihnen die besten Festspielgrüße der städtischen Gremien, insbesondere von Herrn Stadtverordnetenvorsteher Prof. Lothar Seitz übermitteln.

Die Bad Hersfelder Festspiele garantieren seit sechs Jahrzehnten einmalige und unvergessliche Theatererlebnisse in der Stiftsruine. Unsere Festspiele prägen von Mai bis August mit internationalen Darstellern und Gästen eine einmalige Atmosphäre in unserer Stadt und geben ihr ein ganz besonderes Flair, welches niemand missen möchte.

Seit einigen Wochen lässt ein Buch die Emotionen der Kulturszene hochschlagen. Vier Autoren setzen sich unter dem Titel „Der Kulturin-farkt – Von allem zu viel und überall das Gleiche“ sehr kritisch mit der Kulturlandschaft auseinander und sprechen schon fast radikale Empfehlungen aus.

Ich will mich gar nicht zu tief mit den Vorwürfen und den Ableitungen aufhalten und Sie, die Sie mit Ihrem Besuch Ihre persönliche Wertschätzung der Kultur im Allgemeinen und insbesondere der Bad Hersfelder Festspiele ausdrücken, langweilen. Bereits in meiner Rede im letzten Jahr gab ich ein glockenklares Bekenntnis zur Bedeutung der Kultur und speziell für unsere Festspiele ab.

Lassen Sie mich aber trotzdem eine These aus dem Buch aufgreifen und auch sofort widerlegen:

(Zitat): „Kraft für Innovationen, für Visionen, für die Erschließung strategischer Potenziale und die Entwicklung von Kooperationen mit neuen Partnern ist kaum noch vorhanden…Solcher Strukturkonservatismus…ist außerstande, Zukunftsprobleme zu lösen.“ (Zitat Ende)

Dieser Aussage setze ich unsere aktuelle Initiative entgegen. Wir probieren in dieser Spielsaison mal etwas ganz Neues aus und haben unsere Festspiele mit dem Untertitel „klimaneutrale Festspiele“ versehen. Wir wollen herausfinden, welche Energie- und CO2-Bilanzen unsere Aufführungen haben. Dabei handelt es sich um vollständiges Neuland, denn eine solche Untersuchung und Bewertung hat es nach unserer Wahrnehmung weltweit noch nicht gegeben.

Unter der Leitung unseres städtischen Klimaschutzbeauftragten wollen wir konkret feststellen, wie sich unser heutiges Eröffnungsszenario bestehend aus Festakt, Premieren-Aufführung des König Lear sowie der anschließenden Premierenfeier auf das Klima auswirkt.

Wir machen das nicht aus spontaner Laune heraus, sondern weil ich das Jahr 2012 für die Stadt Bad Hersfeld unter den Titel „Energieeffizienz und Klimaschutz“ gestellt habe. Nachdem wir im letzten November mit unserem Programm „Bad Hersfeld saniert sich“ einen Preis des Bundesumweltministers zum Klimaschutz gewannen, streben wir an, unsere führende Rolle beim kommunalen Klimaschutz weiter auszubauen.

„Kultur ist der Sauerstoff einer Gesellschaft“, sagte August Everding.

Kultur, Gesellschaft und Klimaschutz sind demnach eng miteinander verbunden.

Ich behaupte: Kultur und Klimaschutz gehen sehr gut miteinander. Das wollen wir belegen. Und so ganz nebenbei wollen wir durch die thematische Verbindung neue Sponsoren und Investoren gewinnen. Für uns ist Klimaschutz gleich Wertschöpfung. Unternehmen, die dies genauso sehen, sind bei uns richtig und herzlich willkommen.

Die Festspiele sind ein wichtiger Baustein im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dasein unserer Stadt – auch in einer finanziell so schwierigen Lage wie aktuell.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch einen Gedanken aus dem Buch aufgreifen. (Zitat): „Künstler sind bekanntlich Spezialisten der Phantasie. Allein die Metamorphose des Bürgers zum Künstler muss auch im Alltag möglich sein.“ (Zitat Ende)

Hier stimme ich den Autoren voll und ganz zu. Für uns ist es ein Anlie-gen, dass Sie als Bürger zur Phantasie angeregt werden und diese dann zum Erleben und Erschaffen von Neuartigem einsetzen können. Die Bad Hersfelder Festspiele bieten seit 61 Jahren ein emotionales und kreatives Ambiente in der Stiftsruine - verknüpft mit spannenden und unterhaltsamen Inhalten. Dieses Jahr wird das einmalige Angebot noch ergänzt durch die fertig gestellte Schilde-Halle, welche wir heute Abend feierlich eröffnen. Inhalieren Sie den Gründer- und Unternehmergeist von Benno Schilde, dem Erbauer der Halle und Namenspatron. Besuchen Sie die Aufführungen und tanken Sie Inspiration und Motivation, um diese Energie zu Hause in Ihre beruflichen und privaten Erfolge umzusetzen.

Sie sehen: Innovationen im Kulturbetrieb sind sehr wohl möglich. Zum Beispiel durch interdisziplinäre Verknüpfungen, so wie wir es tun.

Unsere Festspiele bestehen nicht nur die Herausforderung hinsichtlich Innovation und Wertschöpfung, sondern auch in der gesellschaftlichen Dimension. Denn sie haben durch Europolis 2050 eine europäische Ausrichtung. Das Projekt Europolis steht unter dem Motto: Wie wird unser Kontinent im Jahr 2050 aussehen? Wie könnten europäische Kultur, europäische Identität und Diversität in 40 Jahren aussehen?

Um dies herauszufinden, werden sich 50 Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern eine Woche mit den Themen der Festspiele auseinandersetzen und dann ihre Interpretationen darüber vorführen. Ich freue mich sehr, dass dieses Jahr zum ersten Mal auch Jugendliche aus unserer Partnerstadt Šumperk teilnehmen.

Ihnen, lieber Herr Bürgermeister Brož, ein herzliches Willkommen und Dankeschön, dass Sie dieses Projekt unterstützen.

Das Projekt Europolis wurde von der Initiative „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Wir stehen sogar in der Endrunde um den Gesamtsieg in einer Kategorie. Sobald die Abstimmungen im Internet losgehen, können Sie als Bürger aktiv mithelfen, damit die Europolis-Idee den Bundespreis gewinnt und Bad Hersfeld sich damit – hoffentlich - schmücken darf.

Mein Dank geht an unseren Intendanten Holk Freytag. Denn Europolis basiert auf seiner Initiative, die er mit Leidenschaft und Engagement untermauert. Und genau diese Leidenschaft ist es auch, mit der Holk Freytag alle Beteiligten durch die Festspielsaison 2012 führt. Wir alle freuen uns auf sieben anregende und begeisternde Wochen.

In diesem Zusammenhang passt natürlich auch die Schirmherrschaft durch den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Herrn Martin Schulz. Über dessen Besuch und Beitrag zu unserer Eröffnung ich mich sehr freue.

Meine Damen und Herren,

Bad Hersfeld hat mehr zu bieten als „nur“ die Festspiele. Hier finden Sie Kunst und Kultur übers ganze Jahr. Der im Internet verfügbare Veranstaltungskalender ist prall gefüllt mit Events für Jung und Alt. Haben Sie schon unser neues wortreich, das weltweit einzigartige Mitmachmuseum rund um Sprache und Kommunikation, besucht? Dort gibt es auch eine kleine Bühne mit Kameras für all diejenigen, die schon immer mal als Hauptdarsteller auf den Brettern stehen wollten.

Und wo ich gerade dabei bin, Ihnen Appetit zu machen. Unser Team baut aktuell für die Freunde des Geo-Cachings einen multiplen Kultur-Cache auf. Für die Nicht-Geo-Cacher sei erklärt, dass dies eine moderne Form von Stadtführung kombiniert mit Schnitzeljagd ist. Damit bleiben Sie kulturell in Bewegung. Seien Sie gespannt und neugierig.

Mit dieser Vorfreude entlasse ich Sie nun in die Welt des Theaters.

Wir freuen uns sehr, Sie bei uns zu haben.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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