Karl Schönholtz über das gestrige Urteil

Rechtlich eindeutig

Die Frage stand während des gesamten Prozesses um den tragischen Badeunfall unausgesprochen im Raum: Welcher Lehrer traut sich noch auf Klassenfahrt, wenn die Kollegen hier verurteilt werden? Natürlich konnten befürchtete Auswirkungen nicht Maßstab für die juristische Bewertung im konkreten Fall sein. Das machte auch Richter Schnelle in der Urteilsbegründung deutlich. Doch tatsächlich ging es in diesem Prozess um mehr als den Tod des Schülers Clemens F. Davon zeugte auch die überaus große Anteilnahme von Lehrern und Schülern im Publikum. Glücklicherweise konnte das Gericht seine Entscheidung auf rechtlich eindeutige Fakten stützen. Die waren zum Teil sogar so überzeugend, dass sich eine weitere Frage stellte: Wie konnte es überhaupt zu einer Anklage kommen, deren Vorwürfe schon zu Prozessbeginn auf tönernen Füßen standen? Die Alternative zu einer öffentlichen Verhandlung, in der jetzt fast alle offenen Fragen geklärt werden konnten, wäre allerdings die Einstellung des Verfahrens im stillen Kämmerlein gewesen – angesichts der Bedeutung des Vorfalls wohl nur die zweitbeste Lösung.

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