Recht und Unrecht

Kai A. Struthoff

Schon lange hat kein Thema unsere Region so bewegt, wie der Prozess gegen drei Lehrer der Modellschule Obersberg. Sie müssen sich wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung vor Gericht verantworten. Es geht um den tragischen Tod eines Schülers vor zweieinhalb Jahren, der bei einer Tutorenfahrt nach Italien im Meer ertrunken war. Noch immer liegen – verständlicherweise – bei allen Beteiligten die Emotionen blank. Das zeigte auch die hitzige Diskussion auf der Internet-Seite unserer Zeitung.

Der Prozess muss für alle furchtbar schwer sein: für die Eltern des Ertrunkenen, für die angeklagten Lehrer und für die Mitschüler. Denn alle sind bereits gestraft – niemand wird das Geschehene einfach abstreifen können. Nie. Dennoch ist dieser Prozess wichtig, um endgültig die Verantwortlichkeit zu klären. Am 16. Februar wird von Richter Elmar Schnelle ein Urteil erwartet. Auch für ihn sicher kein leichter Richterspruch.

Wir wollen dem Urteil des Gerichts nicht vorgreifen. Und wir wollen auch nicht, dass im Schutze der Anonymität des Internets immer neue Wunden gerissen werden. Wir haben deshalb auf unserer Internetseite die Diskussion gestoppt. Und wir bitten alle Beteiligten: Haltet ein und gebt dem Gericht die Chance, sein Urteil zu fällen.

Im Prozess um den sexuellen Missbrauch durch einen Kirchenmitarbeiter in Eiterfeld wurde vergangene Woche der Peiniger der heute 28 Jahre alten Frau zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldbuße verurteilt. Ein viel zu mildes Urteil, meinen nun manche. Angesichts der jahrelangen körperlichen und seelischen Tortur, die das Oper erdulden musste, scheint eine Bewährungsstrafe wirklich nicht besonders hart.

Richterin Michaela Kilian-Bock, die sich in ihrer Zeit als Jugendrichterin hier in Bad Hersfeld einen hervorragenden Ruf erworben hat, wird sich ihr Urteil nicht leicht gemacht haben. Doch Richter müssen sich auf Fakten, Beweise und Zeugenaussagen stützen, um Recht zu sprechen. Manchmal stimmen deshalb die Urteile auch nicht mit dem vermeintlich gesunden Bauchempfinden der breiten Masse der Bevölkerung überein.

Über Recht und Unrecht darf bei uns nicht aus dem Bauch entschieden werden. Eben das unterscheidet unser Land von einer „Bananenrepublik“.

struthoff@hersfelder-zeitung.de

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