Berutti will mit „Sommergäste“ Fragen aufwerfen

Die Realität suchen und Spaß haben

Bad Hersfeld. Was reizt einen französischen Regisseur daran, das Stück eines russischen Autors mit deutschen Schauspielern in einer Kirchenruine zu inszenieren? Jean-Claude Berutti lacht. Es habe ihn gereitzt, mit sehr guten deutschen Schauspielern zu arbeiten. und er habe unglaubliche Freude daran gehabt, ein Kammerspiel auf eine so große Bühne zu bringen.

Das jedoch sei nicht einfach gewesen, räumt Berutti ein. Es verlange von den Schauspielern sehr viel Kraft und Konzentration, gleichzeitig locker zu spielen und sehr präzise auszudrücken, was sie sagen wollen und was ihre Charaktere denken.

Umso glücklicher ist Berutti über das tolle Ensemble, das ihm Holk Freytag ausgesucht habe. Obwohl er viele deutsche Schauspieler kenne und schon in Deutschland gearbeitet habe, wäre es ihm nie möglich gewesen, alle Rollen so gut zu besetzen, meint der Regisseur. Wenn ein Ensemble so harmonisch miteinander und mit dem Regisseur arbeiten könne, müsse man das genießen. Jean-Claude Berutti ist, wie seine Schauspieler, davon überzeugt, dass die unterschiedliche Herkunft – er stammt aus Südfrankreich und hat auch italienische Wurzeln – und die damit verbundene Theaterkultur die Arbeit an dem Stück beflügelt haben.

Die „Sommergäste“, so will er zeigen, lebten am Rande der Realität. Und weil die Zeiten heute völlig andere sind, als vor gut hundert Jahren, als das Stück entstand, stellt sich für ihn die Frage, was heute überhaupt Realität ist. Die bunten Fernsehbilder, die digitale Welt des Internets, das Leben der Reichen und Schönen oder die Not derer, die nicht genug zum Leben haben?

Mit seiner Inszenierung will Berutti Fragen stellen. Und dabei sollen sich die Zuschauer gut unterhalten. „Sommergäste ist eine Komödie“, betont er. Das Publikum könne sich amüsieren und vergnügt dabei zusehen, wie sich die Figuren auf der Bühne abzappeln.

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