Montagsinterview mit Thomas Fehling und Christian Mayer zur Situation des wortreichs

„Realistische Basis schaffen“

Bürgermeister Thomas Fehling und wortreich-Geschäftsführer Christian Mayer stehen unter Druck: Das wortreich hat zu wenig Besucher, nun müssen Lösungen her. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Weil die Besucherzahlen weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleiben, befindet sich das wortreich in finanzieller Schieflage – wir berichteten am Samstag. Im Interview sprechen Bürgermeister Thomas Fehling und wortreich-Geschäftsführer Christian Mayer über die Probleme und die Zukunft des Mitmach-Museums rund um Sprache und Kommunikation. Fehling ist neben Mayer ebenfalls einer von drei ehrenamtlichen wortreich-Geschäftsführern.

Ist das wortreich gescheitert?

Bürgermeister Thomas Fehling: Nein, definitiv nicht. Das wortreich ist und bleibt eine interessante Einrichtung, die ihre Zukunft hat. Wir müssen da jetzt rangehen und das Organisationsmodell anpassen und optimieren. Das wird aber keine Auswirkung auf das wortreich als Angebot haben.

Woran hapert es genau?

Fehling: Das ist einfach auf den Punkt gebracht: Die Besucherprognosen waren deutlich zu euphorisch. Sie müssen jetzt der Realität angepasst werden. Das ist die Aufgabe, die ansteht.

Wie kam es überhaupt zu so euphorischen Annahmen?

Fehling: Diese Prognosen wurden von Profis gemacht. 2008/2009 wurde durch Petri & Tiemann eine von der Stadt bezahlte Studie erstellt, in der das Besucherpotenzial analysiert wurde. Dem Ergebnis wurde Glauben geschenkt. Jetzt stellt sich heraus, dass die Realität eine andere ist. Da muss man sich schon fragen, wie fundiert und wie belastbar diese Prognosen waren.

Wie reagieren Sie auf die Kritik vonseiten der Betreibergesellschaft an der Umsetzung der Marketingstrategie?

Fehling: Das Geschäftskonzept und die Vermarktungsstrategie stammen von den Profis von Petri & Tiemann. Und mit Christian Mayer haben wir eine sehr kompetente Persönlichkeit in diesem Bereich. Er hat sich in den vergangenen Monaten intensivst um das Thema gekümmert. So intensiv, dass andere Aufgaben in seiner Verantwortung zurückgestellt wurden. Die Stadt muss sich den Vorwurf nicht gefallen lassen, dass sie ihren Beitrag nicht geleistet hat.

Sind Petri & Tiemann noch die richtigen Partner?

Fehling: (zögert) Schauen wir mal, wie Petri & Tiemann nun mit der Situation umgehen und welcher Verantwortung sie sich stellen. Mal sehen, ob das Commitment (Einsatz, Anm. der Red.) von Petri & Tiemann zum wortreich genauso groß ist wie das der Stadt.

Wie sehen die kurzfristigen und langfristigen Planungen aus?

Fehling: Wir müssen nun eine realistische Prognose als Grundlage schaffen und einen soliden Wirtschaftsplan, der Bestand hat. Ob uns der dann gefällt oder nicht, ist eine andere Frage, aber er muss funktionieren. Daraufhin kann man dann konkrete Marketingmaßnahmen und -aktionen ansetzen, und ich bin sicher, dass Herr Mayer eine Menge Ansatzpunkte hat .... Die Ausgangssituation muss aber klar sein, und die Annahmen müssen erfolgversprechend sein. Wenn die Planungen auf Illusionen und Fantasterei aufbauen, können Aktivitäten auch nicht fruchten.

Ist das Thema Sprache und Kommunikation einfach schwer zu vermitteln?

Geschäftsführer Christian Mayer: Wir haben mit dem wortreich ein erklärungsbedürftiges Produkt. Das merken wir im Vertrieb. Unseren potenziellen Partnern können wir das wortreich gerade noch erklären, aber die müssen das, was im wortreich Spannendes zu erleben ist, auch an ihre Kunden vermitteln. Das Profil des wortreichs muss noch klarer herausgestellt werden.

Fehling: Die Überlegung ist, vorhandene Vertriebswege auch für das wortreich zu nutzen. Das ist aber nicht so einfach, wie es angepriesen wurde. Wir haben zum Beispiel versucht, Festspielbesuchern Karten für das wortreich mit zu verkaufen. Das hat gar nicht funktioniert. Die Beratungsgespräche sind viel länger und komplizierter geworden, und in manchen Fällen haben Leute dann sogar ihre Kaufentscheidung für die Festspielkarten zurückgestellt. Wir haben Zweifel, wie groß die Expertise bei der Annahme war, dass man Festspiele und wortreich kombiniert verkaufen kann.

Wie könnten etwa Gruppen und Busreisende besser angesprochen werden?

Mayer: Wir haben bislang aufgrund der Vorgaben durch Petri & Tiemann die Veranstalter von Busreisen angesprochen, da wird es aber eine Kursänderung geben. Wir wollen zukünftig die potenziellen Reisegruppen wie Vereine und Verbände direkt angehen.

Kann sich die Stadt das wortreich noch leisten?

Fehling: (zögert) Ja, aber nicht zu jedem Preis.

Von Nadine Maaz

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