Raus aus der Schublade - Junge Politiker berichten über ihre Erfahrungen in den Parlamenten des Kreises

+
Diese Namen sollte man sich merken: Junge Politiker aus Kreistag und Stadtparlamenten haben über ihre Erfahrungen berichtet. Kristina Marth (links) von der Hersfelder Zeitung und Thomas Hahn (kniend) vom Stadtjugendring moderierten.

Bad Hersfeld. Das nötige Rüstzeug für die Politik hat sich der 22-jährige FDP-Fraktionsvorsitzende im Bad Hersfelder Stadtparlament Bernd Böhle als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz geholt. „Dort hört man so viele Beleidigungen, das härtet ab“, erzählt Böhle, den deshalb Kritik aus anderen politischen Lagern nicht erschüttern kann.

Mit Kritik umgehen, die eigene Meinung vertreten, die Angst vor der ersten öffentlichen Rede überwinden – alles neue Erfahrungen für sieben junge Politiker, die auf Einladung des Stadtjugendrings eine erste Bilanz ihrer politischen Arbeit zogen und sich den kritischen Fragen von Kristina Marth (Hersfelder Zeitung) und Thomas Hahn (Stadtjugendring) stellten.

Leider interessierte sich nur eine Handvoll Zuhörer in der Bad Hersfelder Stadthalle für diese erste Bilanz. Dabei hatte die politische Zukunft unseres Kreises durchaus viel Kluges und Nachdenkliches zu sagen.

„Ich senke den Altersdurchschnitt der CDU-Kreistagsfraktion ganz schön“ Katharina Storck (19) aus Ludwigsau

„Eigentlich sind alle froh, wenn junge Leute in die Politik kommen“, erzählte die Kreistagsabgeordnete Nicole Leidenfrost ( SPD), die mit 31 Jahren die Veteranin in der Runde war und bereits seit zehn Jahren politisch aktiv ist. Die alleinerziehende Mutter eines neunjährigen Sohnes, die in Kassel studiert, hatte trotz dieser Doppelbelastung bis zu 14 Positionen und Ämter inne.

Mit Vorbehalten mussten die jungen Abgeordneten nach eigener Aussage nicht kämpfen. „Ich fühle mich in meiner Partei gut eingebettet und werde ernst genommen“, sagte der 19-jährige Robert Helge Patry, CDU-Gemeindevertreter in Niederaula. „Klar gibt es das Klischee vom politischen Enkelkind“, sagte die 19-jährige CDU-Kreistagsabgeordnete Katharina Storck, „aber ich senke ja den Altersdurchschnitt unserer Fraktion auch ganz schön“. Zuerst hatte sie den Eindruck, die Fraktion sei etwas eingeschlafen, aber „inzwischen diskutieren wir mehr, und ich werde auch gezielt nach meiner Meinung gefragt“, meinte Storck.

In der Politik geht es aber auch manchmal um Äußerlichkeiten: Während Bernd Böhle stets mit Krawatte unterwegs ist und auch Daniel Faßhauer (SPD) aus Respekt vor dem Amt als Stadtverordneter gern mal einen Anzug trägt, wurde die Grüne Sara Roller auch schon auf ihre Tattoos und Piercings angesprochen. „Dabei geht es doch um die inneren Werte.“ Ihre Grünen-Kreistagskollegin Kaya Kinkel macht sich sogar einen Spaß daraus, politische Beobachter mit Business-Kostüm und feiner Bluse zu irritieren. „Das Aussehen muss ja nicht immer dem Schubladendenken entsprechen“, berichtete sie keck.

In politische Schubladen wollen sich Nachwuchsparlamentarier ohnehin nicht stecken lassen und plädierten für einen politischen Austausch über Parteigrenzen hinweg. Den Rahmen dafür will künftig der Stadtjugendring bieten. „Politik ist kein Mittel zum Kampf über politische Interessen, sondern zum Austausch über diese Interessen“, sagte der Vorsitzende des Stadtjugendrings, Martin Lüer.

Kommentare