HZ-Interview mit Bürgermeister Thomas Fehling zur Kritik an seiner Amtsführung

Raus aus der Komfortzone

Aus der Steinzeit ins Tablet-Zeitalter. Bürgermeister Thomas Fehling (rechts) will die Arbeit der Stadtverwaltung modernisieren. Kurdirektor Christian Mayer (links) hat in seiner Eigenschaft als Pressesprecher der Stadt an dem Interview teilgenommen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. In der Festspielstadt hängt der Haussegen schief. Hinter vorgehaltener Hand hört man viel Kritik an der Amtsführung von Bürgermeister Thomas Fehling. Offen aus der Deckung wagt sich aber kaum einer. Deshalb konfrontierten Karl Schönholtz und Kai A. Struthoff den Bürgermeister mit der Kritik.

Die Kollegen vom Kreisanzeiger haben vergangene Woche darüber spekuliert, dass das Verhältnis zwischen Ihnen und „Mr. Lolls“ Wilfried Roßbach zerrüttet sein soll. Wir fragen Sie direkt: Was ist da dran?

Fehling: Herr Roßbach ist erkrankt. Ich hoffe, dass er bald zurückkommt. Mehr kann ich dazu nicht sagen, denn das unterliegt der Privatsphäre und dem Datenschutz. Wenn der Kreisanzeiger meint, er müsse sich auf dem Rücken eines Mitarbeiters profilieren, dient das sicher nicht der Genesung des Kollegen.

Die Organisation des Lullusfests erfordert viel Erfahrung, und Herr Roßbach ist dabei fast unersetzlich. Müssen wir uns um unser Lullusfest sorgen?

Fehling: Da kann ich Sie beruhigen. Alle Beteiligten machen einen guten Job und gehen das Thema systematisch an. Wir haben wöchentliche Besprechungen, es gibt einen klaren Projektplan. Auch das Sicherheitskonzept wurde inzwischen überarbeitet. Die Schausteller und Werbepartner unterstützen uns, wo sie können. Ich bin davon überzeugt, dass das Lullusfest gut funktionieren wird.

Reden wir über Sie: Wir hören viel Kritik an Ihrem Führungsstil, es heißt, Sie sitzen Entscheidungen aus, von willkürlichen Versetzungen ist die Rede. Wir hören von Planlosigkeit, von Dingen, die „durchrutschen“. Stimmt das?

Fehling: Wir befinden uns in einem grundsätzlichen Veränderungsprozess in der Verwaltung. Als ich hier angetreten bin, war ich erschrocken über die organisatorischen Zustände. Das war Steinzeit, wie an mancher Stelle gearbeitet wurde. Wir müssen vieles modernisieren. Dazu muss aber jeder aus seiner Komfortzone rauskommen. Das gefällt nicht allen. Wenn man einen Teich trockenlegen will, dann darf man nicht die Frösche fragen. Jede Veränderung ruft auch Proteste hervor. Ich wäre in Sorge, wenn das nicht so wäre, denn dann wäre der Veränderungsprozess tot. Es gilt natürlich, die richtige Balance zu halten. Das gelingt uns, denn die meisten Mitarbeiter ziehen ganz klasse mit. Zum Beispiel bei dem Großprojekt Doppik-Einführung und dem neuen Fachbereich Generationen geht es gut voran.

Es gibt auch außerhalb der Verwaltung Kritik, dass es nicht voran geht, dass die Stadt zurückfällt. Beschäftigen Sie sich womöglich zu viel mit den internen Prozessen, anstatt Ihre im Wahlkampf angekündigten Ziele umzusetzen?

Fehling: Ich habe hier eine ganze Menge Altlasten geerbt. Da galt es einiges abzuarbeiten und manches, bis hin zu Rechtswidrigkeiten, zu heilen. Nebenbei stemmen wir erfolgreich das 40-Millionen-Euro-Projekt Schilde-Park, ohne dass etwas schief gegangen ist. Wir haben das „wortreich“ und Konrads neu aufgestellt und sind dort jetzt auf einem guten Weg. Viele dringend notwendige Verwaltungsumstellungen laufen für die Bürger im Hintergrund. Das ist unspektakulär und bekommt eben auch keiner so richtig mit.

Aber woher kommt dann diese öffentliche Wahrnehmung. Verkaufen Sie Ihre Erfolge zu schlecht?

Fehling. Das könnte sein. Ich wollte aber erst mal Ergebnisse erarbeiten, die man dann verkaufen kann. Die Konstellation, Bürgermeister einer Kreisstadt und gleichzeitig dreifacher Geschäftsführer von GmbHs und Aufsichtsratsvorsitzender zu sein, ist so nicht leistbar. Deshalb habe ich in den GmbHs Veränderungen eingeleitet, die nun umgesetzt werden.

Haben Sie das Bürgermeisteramt unterschätzt?

Fehling: Die Fülle der Aufgaben ist schon enorm. Hinzu kommt noch das politische Störfeuer, das gemanagt werden muss. Trotzdem haben wir im Stadtparlament viele Themen mit großer Mehrheit verabschiedet. Dahinter steckt allerdings eine Menge Arbeit.

Sind Sie immer noch gerne Bürgermeister?

Fehling: Auf jeden Fall. Ich kenne doch das politische Geschäft und habe es meinem Vorgänger ja auch nicht leicht gemacht.

Angesichts der momentanen Stimmungslage in der Stadt: Glauben Sie, dass Sie wiedergewählt würden?

Fehling: Darüber will ich nicht spekulieren. Ich mache meinen Job so, wie ich ihn für richtig halte und wie es für die Stadt nützlich ist und tue das mit vollem Engagement. Ich werde keine Entscheidung daran ausrichten, ob ich wiedergewählt werde. Natürlich ist das mein Ziel, denn eine solche Aufgabe kann man in sechs Jahren nicht umsetzen. Bis zur nächsten Wahl sind es allerdings noch dreienhalb Jahre. Abgerechnet wird am Ende.

Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie am Montag. Darin übt Thomas Fehling heftige Kritik am Agieren von Intendant Holk Freytag.

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