Frau im Männerberuf: Doreen Willhardt (30) ist Lkw-Fahrerin aus Leidenschaft

Nix wie raus aus dem Büro

Arbeitsplatz am Lenkrad: Doreen Willhardt zeigt das Foto ihrer Sattelzugmaschine, mit der sie vor drei Jahren sogar zum Standesamt im Friedewalder Wasserschloss fuhr. Foto: Kurt Hornickel

Hersfeld-Rotenburg. Doreen Willhardt ist ausgebildete Raumausstatterin, hat eine Lehre als Bürokauffrau absolviert und in diesem Beruf auch gearbeitet, bis sie sich selbst vor sechs Jahren ihren sehnlichsten Wunsch selbst erfüllte und den Lkw-Führerschein machte. Sie wollte ans Lastwagen-Steuer. „Mein Vater war voll und ganz dafür“, berichtet Doreen Willhardt. Nur der Chef, Friedrich Krumme, sei anfangs skeptisch gewesen. Bedenken, die er jedoch getrost über Bord warf.

„Als Frau am Steuer muss man sich durchsetzen“, diese Erfahrung machte Doreen Willhardt von Anfang an, hat aber ihre Entscheidung nie bereut. Für den Bad Hersfelder Erdwärme und Kläranlagen-Spezialisten steuerte sie jahrelang einen Sattelschlepper mit schwerem Bohrgerät durch Deutschland oder belud den Kranwagen der Firma und brachte Material auf die Baustellen. Die Latzhose als Berufsbekleidung war ihr lieber als das Büro-Outfit.

Natürlich war ihr bei der ersten Ausfahrt mit dem Sattelschlepper, der so lang ist wie vier Personenwagen in einer Reihe, etwas flau im Magen. „Aber als ich den ersten Kreisel geschafft hatte, lief alles wie am Schnürchen“, erinnert sie sich.

Man wird beäugt

In den Jahren, in der sie über hunderte von Kilometern mit ihrem unübersichtlichen Fahrzeug unterwegs war, ist ihr nie ein Unfall passiert.

Platz in der Männerwelt: Doreen Willhardt (rechts) mit ihrem Lkw auf einer Baustelle der Terra-Technik-Erdwärme. Neben der Lkw-Fahrerin stehen Firmenchef Friedrich Krumme, Vater Wolfgang Kraske und Kollege Nikolai Siegfried. Foto: kh/Archiv

Daran, dass sie als junge Frau am Steuer kritisch beäugt wurde, musste sich Doreen Willhardt erst gewöhnen. Als die Fahrerin einmal mit einem Kollegen unterwegs war, schlug dieser vor, dass man beim Aussteigen aus dem Fahrerhaus lieber die Plätze tauschen sollte, um kein Aufsehen auf dem Rastplatz zu erzeugen. „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Lastwagen und Autos“, berichtet Doreen Willhardt. Das hat sie von ihrem Vater Wolfgang Kraske geerbt, der ihr und ihrem großen Bruder schon früh das Autofahren auf der Wiese beibrachte.

Momentan ist die 30-Jährige, die in Kathus wohnt, nicht im tonnenschweren Lkw auf Achse, sondern vollbeschäftigt mit Töchterchen Paula, den Pferden, den Rindern und Kälbern und dem Haushalt.

Den Lastwagen der Firma fährt jetzt ihr Mann Christian. Den hat sie über die Arbeit kennengelernt. Dass ihr Angetrauter nach der Geburt der Tochter den Hausmann machen könnte, stand nie zur Debatte. Aber ihren Traumberuf am Steuer schwerer Lastwagen hat Doreen Willhardt noch lange nicht an den Nagel gehängt. Erst im vergangenen Jahr ließ sie ihre Lizenz erneuern. Das muss alle fünf Jahre erfolgen.

Bislang ist Doreen Willhardt aber nicht unzufrieden. Sie hat ihre Pferde und ist deshalb immer noch viel draußen und an der frischen Luft.

Von Kurt Hornickel

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