Wahlparty im Landratsamt: Bei den meisten Kandidaten überwog die Enttäuschung über die Ergebnisse

Ratlosigkeit beim Geduldsspiel

Erste Einschätzungen an einem denkwürdigen Wahlabend: Bernd Böhle (FDP), Thorsten Bloß (CDU), Kaya Kinkel (Grüne), Alexander Sauer (AfD), Jörg Althoff (Grüne, verdeckt) und Horst Zanger (Die Linke, von links) im Gespräch mit Markus Pfromm (Mitte). Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Die Bekanntgabe der Prognose des Wahlergebnisses kurz nach Schließung der Wahllokale, das war bei früheren Wahlpartys unserer Zeitung auch der Moment, in dem erster Jubel oder ein enttäuschtes Aufstöhnen zu hören war. Ganz anders war es gestern um kurz nach 18 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes, da machte sich erst einmal allgemeine Ratlosigkeit breit.

Die FDP vermutlich draußen in Bund und Land, die AfD weder hier noch da drin, die CDU überall vorneweg, aber wie weit? Die Vielzahl der denkbaren Konstellationen ließ nur Spekulationen zu. Also schwieg das Party-Publikum und verfolgte gespannt das Geschehen auf den beiden Leinwänden, wo aber weder Interviews noch die ersten Hochrechnungen Klarheit brachten.

Tapfere Verlierer

Tapfer stellten sich zunächst zwei Verlierer des Abends den Fragen von Moderator Markus Pfromm. Bernd Böhle, Landtagskandidat der FDP im Wahlkreis Hersfeld, sprach nicht nur von einer „historischen Niederlage“, sondern auch von einer „bitterbösen Enttäuschung“. Alexander Sauer, der für die AfD in den Landtag wollte, war auch „ein bisschen enttäuscht“, dass die Fünf-Prozent-Hürde noch ein wenig zu hoch war.

Als kurz vor 19 Uhr die nächste Hochrechnung für den Bundestag kam, war alles noch knapper als ohnehin schon. Die Geduldsprobe dauerte an. Gut, dass die Kantine des Landratsamtes, ahle Wurst und Fettebrot zur Stärkung und Beruhigung der angespannten Nerven vorbereitet hatte.

Nicht vorstellbar

Erste Ergebnisse aus Hessen ließen ebenfalls alles offen. Die CDU vorne, die FDP draußen, aber keine Mehrheit für Rot-Grün. Vielleicht aber für Schwarz-Grün? Kaya Kinkel, die im Wahlkreis Rotenburg angetreten war, konnte sich in einer zweiten Gesprächsrunde allerdings ein solches Bündnis nicht vorstellen. Ohnehin war ihr nicht zum Jubeln zumute. Denn statt der Energiewende sei die Steuerdebatte dominierendes Wahlkampfthema gewesen – sehr zum Leidwesen der Partei.

Ihr Hersfelder Mitbewerber Jörg Althoff sah das ähnlich und bekannte, dass man die Notwendigkeit der Energiewende „noch deutlicher hätte machen müssen“.

Horst Zanger, für Die Linke im Wahlkreis Hersfeld angetreten, sah seine Partei hingegen als Gewinner. Nicht nur der Wiedereinzug in die Parlamente sei gelungen, sondern man habe auch die Stammwähler behalten. „Vor vier Jahren hat man uns noch die Protestwähler vorgehalten“, sagte Zanger, der im übrigen Koalitionen mit SPD und Grünen positiv gegenüber steht: „Da haben wir die größten Schnittstellen.“

Als sich dann in den Hochrechnungen sogar eine absolute Mehrheit für die CDU in Berlin abzeichnete, hatte zumindest der Kreisvorsitzende der Christdemokraten, Thorsten Bloß, uneingeschränkten Grund zur Freude. „Das ist ein tolles Ergebnis“, stellt er fest, und wusste auch, warum es so gekommen war: „Deutscland ging es noch nie so gut.“

Für die Besucher der Wahlparty war das alles zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht zementiert. Sie schauten weiter gebannt auf die Leinwände, um die Fortsetzung des Geduldsspiels zu erwarten.

Von Karl Schönholtz

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