Die nordhessische Europa-Abgeordnete Barbara Weiler (SPD) hat Myanmar besucht

Rangoon tanzt Lady Gaga

Ein Land im Aufbruch: Jahrzehntelang war Myanmar durch seine brutale Militärjunta unterdrückt und isoliert worden. Doch inzwischen ist das Klima der Angst von Zuversicht verdrängt worden. Foto: AP

Bad Hersfeld. Fast 50 Jahre lang war Myanmar, das frühere Birma, ein vergessenes Land am Ende der Welt. Seit 1962 beherrschte eine Militärjunta das südostasiatische Land. Nur selten sah die Weltöffentlichkeit Bilder von protestierenden, rotgewandeten Mönchen. Und von einer zarten Frau die sich mutig gegen die Diktatur stellte: Aung San Suu Kyi, die für ihren jahrzehntelangen Protest mit Hausarrest belegt wurde und 1991 den Nobelpreis erhielt.

Seit gut einem Jahr aber regiert ein ziviler Präsident Myanmar und er treibt Reformen und eine Öffnung des Landes voran. Davon konnte sich jetzt auch die SPD-Europaabgeordnete Barbara Weiler aus Fulda überzeugen, die mit einer Delegation des EU-Parlaments Myanmar besuchte und dort auch Aung San Suu Kyi traf. „Eine ganz tolle Frau“, schwärmt Weiler über die Begegnung mit der 67-jährigen Nobelpreisträgerin. Aber auch das Land mit seinen Pagoden, Mönchen und großen Problemen hat Weiler verzaubert. „Myanmar ist in Bewegung“, erzählt sie, „die Menschen seien sehr freundlich, friedlich und ohne Rachegelüste.“ Dabei gehört Myanmar zu den ärmsten Ländern der Erde, viele Menschen leben in Slums oder Flüchtlingslagern, 90 Prozent haben keine Elektrizität, sauberes Wasser ist knapp. Hier helfe die EU, erzählt Weiler, die unter anderem ein großes Trinkwasserprojekt besichtigt hat, das mit EU-Geld finanziert wurde.

Dennoch ist der Wandel überall zu spüren. Denn Myanmar ist reich an Bodenschätzen, Rubinen, seltenen Erden und Gas. Viele Wirtschaftsunternehmen stünden auf dem Sprung nach Myanmar. Viele Menschen hätten ein Handy, in allen Hotels gebe es Internetzugang und die Bevölkerung habe so Zugang zu freien Medien. „Das Militär beherrscht nicht mehr das Stadtbild, aber man sieht auch nicht viele Mönche“, berichtet Weiler.

Jahrelang hatte die EU mit Sanktionen versucht, das Militärregime zum Einlenken zu bewegen. Nach ihrer Reise sieht Barbara Weiler dieses politische Druckmittel aber sehr kritisch. „Sanktionen treffen vor allem die Armen“, hat sie am Beispiel der Textilindustrie in Myanmar erfahren. Dort arbeiteten vornehmlich Frauen zu sehr niedrigen Löhnen – aber die Sanktionen machten diese Branche kaputt. „Ich würde nicht wieder dafür stimmen“, sagt Weiler. Inzwischen finanziere die EU Projekte für die Ausbildung von Näherinnen. Weiler ist überzeugt, dass die Textilindustrie des Landes gute Chancen habe, sich auf dem Weltmarkt zu behaupten.

Höhepunkt ihrer Reise war aber der Empfang bei Aung San Suu Kyi. „Sie ist klug, charismatisch, unprätentiös und sorgt sich vor allem um die Armen“. Außerdem wolle sie mehr Frauen ins Parlament bringen, derzeit betrage deren Anteil nämlich nur drei Prozent.

Suu Kyi habe Vertrauen in den Reformwillen des jetzigen Regierungschefs, berichtet Weiler. In Myanmar sei das Klima der Angst von einer Stimmung des Aufbruchs verdrängt worden. Das merke man überall, sagt Weiler und erzählt lächelnd: „In Rangoon tanzt man jetzt zu Lady Gaga.“

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