Todesfall in Neuss überschattet neue Arbeitsmarkt-Daten – Spezielles Training auch bei uns

Randale ist eher selten

Die Weihnachtspakete rollen an: Amazon und die anderen Logistiker im Landkreis erweisen sich weiterhin als Job-Motor der Region. Speziell für das Saison-Geschäft werden jetzt wieder vermehrt Mitarbeiter gesucht. Foto: Archiv

Bad Hersfeld. Arbeitslosigkeit ist bitter. Aber auch die Arbeitsvermittlung hat es in sich. Eine Mitarbeiterin der Arbeitsagentur in Neuss ist vorgestern sogar von einem aufgebrachten Kunden erstochen worden. Eine Tragödie, die auch die Kollegen in Bad Hersfeld betroffen macht.

„Es gibt auch bei uns immer mal Leute, die Randale machen – aber noch hält es sich im Rahmen“, sagt Gerhard Ruch, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitsagentur. In Hersfeld gebe es daher keinen Sicherheitsdienst, gleichwohl seien alle Arbeitsplätze mit Alarmknöpfen ausgerüstet. „Viele Menschen bringen ihre Sorgen mit zu uns“, weiß auch Agenturchef Waldemar Dombrowski. Dabei gebe es immer einen Anteil von sehr Frustrierten.

Um ihnen angemessen zu begegnen, durchlaufen alle Mitarbeiter der Arbeitsagentur spezielle Deeskalations-Trainings, in denen in Rollenspielen geübt wird, wie man in solchen Situationen reagiert. Dennoch wissen Dombrowski und Ruch: „Es gibt keine absolute Sicherheit.“

Das neue Führungsduo: Geschäftsführer Waldemar Dombrowski (rechts) und sein Stellvertreter Gerhard Ruch. Foto: Struthoff

Der beste Schutz hingegen wäre wohl eine gute Lage am Arbeitsmarkt. Und tatsächlich geht es dem Kreis im Vergleich zu anderen Regionen weiter gut. „Wir arbeiten hier immer noch auf einem hohen Niveau, vor allem durch die vielen Arbeitsplätze in Handel und Logistik“, sagt Ruch. Gerade bei großen Saison-Arbeitgebern wie Amazon „läuft es jetzt verstärkt an.“ Das zeige sich auch am Stellenzugang. Von Januar bis September 2012 wurden 4125 freie Stellen gemeldet. Allerdings waren es im Vorjahr 4325 und im Jahr 2010 sogar 4565. Eine Eintrübung der Konjunktur sei auch daran abzulesen.
Außerdem verwies Dombrowski in seinem Arbeitsmarkt-Überblick auch auf jene 342 Menschen, die im September in Weiterbildungen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und anderen Projekten untergebracht sind. Per Definition bezeichnet man sie als „Unterbeschäftigte im engeren Sinn“, also als registrierte Arbeitslose und Personen, die nah am Arbeitslosenstatus sind. Insgesamt sei ihre Zahl im Vergleich zum Vormonat aber nahezu gleich geblieben.

Von Kai A. Struthoff

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