Bad Hersfelder Schöffengericht fand ungewöhnliche Lösung

Räuber unentschlossen

Bad Hersfeld. Wer mit einem Messer in der Hand eine Tankstelle betritt und es mit den Worten „Das ist ein Überfall“ auf den Inhalt der Kasse abgesehen hat, der darf unter normalen Umständen nicht mit der Nachsicht des Gerichts rechnen.

Doch der Prozess vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld gegen einen 46 Jahre alten Mannes aus dem Norden des Kreisgebietes war eben nicht der Normalfall, weshalb am Ende trotz einschlägiger Vorstrafe und trotz laufender Bewährung nochmals auf eine Strafaussetzung erkannt wurde.

Der Spielsucht verfallen

„Versuchte räuberischer Erpressung in einem minderschweren Fall, begangen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit“ lautete im Juristendeutsch der Straftatbestand, dessen sich der arbeitslose und der Spielsucht verfallene Raumausstatter am 24. Juli dieses Jahres schuldig gemacht hatte.

Nicht übernommen

An diesem Tag hatte er beim Praktikum in Bebra die schlechte Nachricht erhalten, dass er nicht übernommen werden würde, hatte daraufhin sein Geld an Automaten verspielt und war mit dem Bus nach Rotenburg gefahren. Um an frisches Geld für einen weiteren Spielhallenbesuch zu kommen, inszenierte er seinen halbherzigen „Überfall“ auf die Shell-Tankstelle in der Kasseler Straße.

Die junge Dame an der Kasse dachte zunächst an einen schlechten Scherz, als der Mann mit dem Teppichmesser in der Hand Geld forderte und nahm ihn auch im Folgenden nicht richtig ernst. Nach einigem Hin und Her kündigte sie an, jetzt die Polizei anzurufen – was dem unentschlossenen Räuber dann auch recht war. Geduldig wartete er an Ort und Stelle seine Festnahme ab.

Die dilettantisch geplante und umgesetzte Tat war – so stellte sich vor Gericht heraus – wohl eher als Hilfeschrei des einfach strukturierten Angeklagten zu verstehen denn als ernsthafter Versuch, sich mittels Waffengewalt zu bereichern. „Dieser Hilferuf soll nicht ungehört bleiben“, sagte Richter Michael Krusche in der Begründung des Urteils, das dem 46-Jährigen ungewöhnlicherweise nochmals die Chance zur Bewährung einräumte.

Bereits rechtskräftig

Lässt er sich allerdings in den nächsten drei Jahren in einer Spielhalle blicken, dann würden die verhängten anderthalb Jahre Freiheitsentzug wohl vollstreckt, und hinzu kämen ein Jahr vier Monate aus der früheren Verurteilung.

Auch der Umstand, dass sich der Raumausstatter um eine Therapie bemüht und dass er dank einer Umschulung derzeit einen strukturierten Tagesablauf hat, erleichterten dem Gericht die Entscheidung.

Das Urteil wurde im Einverständnis aller Beteiligten sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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