Bewährungsstrafe für 39-jährige Hersfelderin: Den Ex-Freund der Tochter überfallen

Räuber-Duo Mama & Sohn

Bad Hersfeld. Da wird nächtens ein junger Mann am Bad Hersfelder Bahnhof von mehreren Leuten überfallen, ordentlich vermöbelt, und nachher fehlen ihm Handy und Geldbörse. Keine Frage: ein Raub mit Körperverletzung.

Darauf erkannte jetzt auch das Jugendschöffengericht in einem Fall, in dem allerdings nichts so einfach war, wie es zunächst den Anschein hatte.

Haupttäterin war nämlich eine 39 Jahre alte Hausfrau aus Bad Hersfeld – bei solchen Taten absolut ungewöhnlich. Mit dabei: ihr 18-jähriger Sohn.

Verletzter Stolz

Aus der Reihe fiel auch das Motiv: Es ging um verletzten Stolz, um Rache und nicht zuletzt ums Geld. Denn das Opfer, ein 21 Jahre alter Azubi, war der Ex-Freund der Tochter der Angeklagten.

Um die Hintergründe der Tat zu verstehen, die sich am 1. Mai vergangenen Jahres gegen 22 Uhr auf dem Bahnsteig an Gleis 1 ereignete, mussten Jugendrichter Dr. Rolf Schwarz und die beiden Schöffen ein komplexes Beziehungsgeflecht aufdröseln.

Nur knapp einen Monat hatte die Freundschaft zwischen dem gerade einmal 14 Jahre alten Mädchen und dem Azubi gehalten, dann machte der bereits einer anderen schöne Augen.

Mutter sah rot

Doch die kurze Zeit der Liaison hatte ausgereicht, um nicht nur das Herz der Verflossenen zu brechen, sondern auch deren Mutter nachhaltig zu verärgern: Schließlich hatte sie dem Freund der Tochter Kost und Logis gewährt und ihm auch finanziell aus der Patsche geholfen.

300 Euro – da waren sich ausnahmsweise beide Seiten einig – sollte der notorisch klamme Azubi summa summarum bezahlen, sobald er wieder flüssig wäre.

Als die Untreue des 21-Jährigen durch mehrere SMS an die neue Freundin offenkundig wurde, sah die Mutter bei der nicht ganz zufälligen Begegnung am Bahnhof rot. Sie griff den Azubi an den Haaren, donnerte ihn mit dem Kopf gegen eine Glaswand und quetschte ihm die Weichteile. Ihr Sohn stand mit einem Faustschlag aufs Auge hilfreich zur Seite.

Die rasende Mutter befahl dann, das sich nicht wehrende Opfer zu filzen. Doch in der Geldbörse klimperten nur ein paar Euro. Es folgten Beschimpfungen und Drohungen, schließlich durch einen weiteren Beteiligten mindestens ein Tritt gegen den Kopf des Azubis.

Minderschwerer Fall

Während sich die Verteidiger von Mutter und Sohn nach Kräften darum bemühten, den Raub-Vorwurf zu entkräften („Keine Zueignungsabsicht“, „Keine Gedanken gemacht“), hielten Staatsanwalt Werner Stock, Rechtsanwältin Daniela Morbach als Vertreterin der Nebenklage und schließlich auch das Gericht daran fest: Schließlich hatte die Mutter ihre vermeintlichen Ansprüche an den Ex-Freund der Tochter auch durch das Einkassieren des Handys durch Gewalt auf unzulässige Weise geltend gemacht.

Allerdings: Unter dem Strich wurde die Tat wegen der Begleitumstände als minderschwerer Fall eingestuft. Acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung plus 200 Stunden gemeinnützige Arbeit für die Mutter, Verwarnung, eine Woche Arrest und 50 Arbeitsstunden für den Sohn.

Sogar der Chef kam

Ungewöhnlich auch der Fall des dritten Angeklagten: Der musste wegen einer dicken Vorstrafe um seine Bewährung fürchten. Doch nicht nur Verteidiger Christian Kusche sprach für den 21-jährigen Servicetechniker, sondern auch dessen extra aus Hamburg angereister Chef. Außerdem entschuldigte sich der Angeklagte in aller Form für sein Fehlverhalten. Der Lohn: Aus altem und neuem Urteil wurde eine Gesamtsstrafe von einem Jahr gebildet, die erneut zur Bewährung ausgesetzt wird. Daneben wurden 1100 Euro Buße verhängt, 500 davon sind an das Opfer zu zahlen.

Im allgemeinen Einverständnis wurde das Urteil bei allen drei Angeklagten sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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