250 Dinge, die wir an der Region mögen (66): Die Kirche in Nentershausen

Rätselhafter Turm

Prachtvoll: die Nentershausener Kirche im Innern. Fotos: Manns

Nentershausen. In einer Stiftungsurkunde vom 5. August 1349 wird die Kirche in Nentershausen erstmals urkundlich erwähnt. Nach Aussage von Heinz Probst, der sich intensiv mit der Geschichte der Kirche beschäftigt und auch nach vorheriger telefonischer Anmeldung Führungen durch das schmucke Gotteshaus macht, dürfte der Turm der Kirche einige Jahre älter sein.

Rudolf Schulze schrieb in der Chronik zur 650-Jahrfeier der Kirche im Jahr 1999 die einleitenden Sätze: „Eine der bemerkenswertesten Landkirchen in Osthessen ist unsere Nentershäuser Kirche.“ Bekannt ist sie wegen ihrer einheitlichen barocken Innengestaltung, vor allem wegen ihres „Kirchenhimmels“, einer den ganzen Kirchenraum überwölbenden Gesamtraumtonne, die 1706 als Himmel ausgemalt worden ist. Als Maler der Decke wurde Simon Steffen genannt, während die Bemalung der Emporen von Johann Fabarius durchgeführt wurde.

Vorposten zur Tannenburg

Besonders rätselhaft ist der runde Kirchturm, der schon immer die Phantasie des Betrachters anregte. Die massive Bauweise und die Rundform weisen darauf hin, dass der Turm im Mittelalter zu Wehrzwecken, als Vorposten der Tannenburg, gebaut worden sein könnte. Die Kirche soll erst später nach und nach angebaut worden sein, und nach alten Überlieferungen und Erzählungen soll es sogar einen unterirdischen Gang vom Turm zur Tannenburg gegeben haben. Es wurde aber noch nie ein Nachweis über einen Gang zur Burg gefunden.

Die Kirche von außen.

Etwa zwischen 1680 und 1690 entstand die barocke Orgel mit geschnitztem Ornament und bemaltem Pfeifenwerk.

Zwischen 1963 und 1979 musste die Kirche im Innenbereich und auch im Dachbereich mehrfach aufwendig renoviert werden.

Zum Gottesdienst werden die Gläubigen von drei Glocken gerufen, wobei die älteste im Jahr 1498 gegossen und mit folgender Inschrift versehen wurde: „heinricus heis ich / in sancte theowaldus er lut ich / stefan hofmann gos mich / MCCCCLXXXXVIII“.

Übersetzt heißt das: „Heinricus heiß ich / zu Sankt Theobalds Ehren läute ich / Stefan Hofmann goss mich / 1498“.

Weitere ausführliche Informationen und Führungen durch das Gotteshaus können bei Heinz Probst in Nentershausen unter der Telefonnummer 06627/274 erfragt werden. In der Kirche liegen auch noch Festschriften zum Selbstkostenpreis von der 650-Jahrfeier im August 1999 aus. Dort ist in einer umfassenden Chronik alles Wichtige über das altehrwürdige Bauwerk aufgeführt und erklärt.

Kommentare