Schöffengericht Bad Hersfeld verurteilt Brandstifter zu zwei Jahren auf Bewährung

Rache für die „faule Sau“

Bad Hersfeld. „Erst wurde heiß diskutiert und dann gezündelt,“ stellte Richter Michael Krusche fest und lieferte damit gleich die Schlagzeile für einen Prozess, in dem ein alkoholbefeuerter Streit um die Haunetaler Gemeindepolitik in eine schwere Brandstiftung ausgeartet war. Dafür verurteilte das Schöffengericht Bad Hersfeld gestern einen 59-jährigen Fliesenleger zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Der Angeklagte, der sich mit keiner Silbe zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Christina Dern äußerte, hatte zur Überzeugung des Gerichts in der Nacht zum 3. September vergangenen Jahres vor dem Wohnhaus eines Neukircheners mittels Altpapier und Benzin Feuer gelegt, das auch prompt auf die Eingangstür übergriff. Die örtliche Feuerwehr hatte den Brand jedoch schnell unter Kontrolle und anschließend den ahnungslosen Hausbewohner aus dem Schlaf geschreckt.

Die Vorgeschichte hatte sich am Abend im Schützenhaus des Ortsteils der Gemeinde abgespielt, aus dem der Neukirchener stammte. Dorthin war der Kraftfahrer auf ein spätes Bier gefahren, nachdem er zunächst im Fernsehen ein Fußball-Länderspiel geschaut hatte.

Im Schützenhaus wurde lautstark über die bevorstehende Bürgermeisterwahl diskutiert, auch die Arbeit des anwesenden Ortsvorstehers blieb nicht unkommentiert. Diesem warf der längst nicht mehr nüchterne Fliesenleger an den Kopf, sich zu wenig für das Dorf einzusetzen.

„Blöd geparkter“ Pkw

Solche Stänkerei brachte wiederum den Kraftfahrer in Rage: Er bezeichnete den ehemaligen Nachbarn als „faule Sau“ und hielt dem Arbeitslosen vor, seit 15 Jahren nur zu Hause zu sitzen und nichts zu tun. Dann reichte es dem Neukirchener. Er fuhr heim und legte sich auf der Wohnzimmercouch vor dem laufenden Fernseher schlafen.

Gegen halb drei Uhr nachts bemerkten dann zwei Kurierfahrer auf der Hauptstraße in Neukirchen einen „blöd geparkten“ Mercedes-Pkw. Als die beiden wenig später auf dem Rückweg erneut diese Stelle passierten, sahen sie das Feuer an der Haustür und hielten an. Einer der beiden ging zum Haus und begegnete dort einem Mann, der auf die Frage „Haben Sie das angesteckt?“ mit Ausflüchten reagierte und wenig später mit besagtem Mercedes verschwand.

Im Gerichtssaal war sich der 58 Jahre alte Zeuge aus Fulda gestern „hundertprozentig sicher“, dass der Angeklagte der Mann war, den er in jener Nacht am Tatort gesehen hatte. Phantombild

Von Karl Schönholtz

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