Taxi-Unternehmer brauchen Krankenfahrten, haben dafür aber erhöhten Aufwand

Rabatt ja, aber nicht ruinös

Finanzielle Ungewissheit: Taxi-Unternehmer Eduard Smolorz vom Taxi-Service Bad Hersfeld hofft, wie alle seine Kollegen, auf eine Einigung zwischen der AOK und dem Fachverband Pkw-Verkehr in Hessen über eine Erhöhung der Tarife für Krankenfahrten. Auch bei den Kommunen liegen Anträge auf Tariferhöhung vor, damit die Unternehmen ab Januar 2015 den Mindestlohn bezahlen können. Foto: Zacharias

Hersfeld-Rotenburg. Eigentlich müsste Eduard Smolorz, Inhaber des Taxi-Service Bad Hersfeld, jetzt anfangen, Kündigungen für seine Mitarbeiter zu schreiben. Denn wenn weder die AOK noch die Stadt bis Anfang Januar die Tarife für Taxifahrten erhöhen, dann kann er nicht mehr alle seine Fahrer bezahlen. Bei Jens Marggraf, der in Rotenburg und Melsungen eines der größten Taxi-Unternehmen in der Region betreibt, stehen zehn bis 15 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Und auch andere große und kleine Taxi-Unternehmen kommen in Schwierigkeiten, wenn ihre durch den Mindestlohn ab Januar höheren Kosten nicht durch höhere Tarife ausgeglichen werden.

Richtig sauer sind die Taxi-Unternehmer auf die AOK. Das Angebot, 1,08 Euro pro Kilometer zu zahlen empfinden sie als ruinös. „Die AOK als größte Krankenkasse bringt uns Volumen. Da muss sie natürlich auch einen Rabatt bekommen“, sagt Jens Marggraf. Aber Rabatte, die die 40-Prozent-Marke überschreiten, die seien einfach nicht möglich, betont er. Noch dazu müssen die Unternehmer für die Krankenfahrten einen deutlich höheren Aufwand betreiben.

In neue Fahrzeuge investiert

Die Patienten müssten in den meisten Fällen vom Chauffeur betreut, begleitet und mit unterschiedlichen Hilfestellungen befördert werden. Einige Unternehmer haben extra für die Krankenfahrt in neue Fahrzeuge investiert, in denen Rollstuhlfahrer und Menschen, die in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt sind, befördert werden können. Auch für die Abrechnung der Krankenfahrten sei der Aufwand erheblich höher. Ihr Geld erhalten die Taxi-Unternehmer, wenn keine Fehler vorhanden sind, nach vier Wochen.

Besonders ärgern sich die Unternehmer über eine Passage in dem neuen Vertragsentwurf, in dem die AOK fordert, dass die Firmen ihren Mitarbeitern den Mindestlohn bezahlen, ansonsten drohe eine Vertragsstrafe von 50 000 Euro. „Da muss uns die AOK erst einmal in die Lage versetzen, den Mindestlohn auch zahlen zu können“, meint Marggraf und Smolorz weist darauf hin, dass die Mehrzahl der Taxifahrer bei der AOK versichert sei, dass folglich die Kasse von den höheren Löhnen über höhere Beiträge profitiere.

Wenn kein neuer Vertrag zwischen der AOK in Hessen und den Taxi-Unternehmern zustande kommt, bleibe deshalb, das versichert Marggraf, kein Patient stehen. Allerdings müssten die Patienten dann ganz normal den üblichen Tarif für die Taxifahrt bezahlen und sich die Kosten von der Kasse erstatten lassen.

„Wir hoffen, dass die AOK sich bewegt“, betont Marggraf. Am Montag, 17. November, findet die nächste Verhandlungsrunde zwischen der AOK und dem Verband Pkw-Verkehr Hessen statt.

Von Christine Zacharias

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