Schilde-Park bietet den Hersfelder Stadtverordneten Anlass zu heftiger Diskussion

Nur ein Quietscheentchen

Bad Hersfeld. Das, was ihre Ausschüsse in den vergangenen Tagen bereits vorbereitet hatten, das winkten die Bad Hersfelder Stadtverordneten am Donnerstagabend in der Stadthalle zügig durch. Erst in der zweiten Hälfte der 28 Punkte langen Tagesordnung bekamen sie sich wieder in die Wolle – und das dann gleich richtig.

Anlass war ein Antrag der Mehrheitsfraktion von SPD, Grünen und FWG, durch den der Magistrat beauftragt werden sollte, eine „sinnvolle Verwendung“ für das 1200 Quadratmeter große Grundstück im östlichen Schilde-Park zu finden, das nach der jüngsten Änderung des Bebauungsplanes vermarktet werden kann. Roland Luley (SPD) versprach sich etwa durch ein Hotel oder einen Sportfachmarkt eine Belebung des Parks und des Parkhauses.

Was für Außenstehende vermutlich nach einer guten Idee klang, das erzürnte jedoch Vertreter der anderen Fraktionen und insbesondere Bürgermeister Thomas Fehling, der von einem „scheinheiligen Antrag“ sprach. Denn nicht nur alle Teilprojekte im Schilde-Park lägen im Zeitplan und im Budget, sondern auch Projektideen für besagtes Grundstück seien gemeinsam mit interessierten Investoren bereits in Arbeit. Mit Ergebnissen rechnet Fehling bis zum März kommenden Jahres.

Im Übrigen verwies Fehling auf die stetig wachsenden Dimensionen des Gesamtunternehmens Schilde-Park. Das genehmigte Budget liegt mittlerweile bei rund 40 Millionen Euro, doch Fehling schätzt, dass „wir am Ende bei 55 bis 60 Millionen landen“. Aus diesem Grund sei das Management auch nicht mehr wie bisher im Nebenjob vom Bürgermeister und anderen zu leisten, weshalb im nächsten Jahr ein hauptamtlicher kaufmännischer Geschäftsführer in die Wirtschaftsbetriebe einsteigen soll.

Verzögerungstaktik

Der SPD warf Fehling vor, bisher eher durch Verzögerungstaktik als durch hilfreiche Initiativen aufgefallen zu sein. Er verwies in diesem Zusammenhang auf sein Wahlkampf-Projekt „Schilde-Campus“, dessen grundsätzliche Überlegungen und Feststellungen nach wie vor zuträfen. Der Antrag der Mehrheitsfraktion, so Fehling weiter, sei wohl als Kaninchen gedacht gewesen, das aus dem Hut gezaubert wird, doch herausgekommen sei nur ein Quietscheentchen.

Mit dieser Einschätzung war der Rathauschef nicht weit von dem entfernt, was CDU-Fraktionschef Gunter Grimm den Antragstellern vorhielt. Alle bisherigen Vorschläge zu Ansiedlungen und Vermarktungen im Park-Areal seien negiert worden, warf Grimm der Mehrheitsfraktion vor, deren Vorlage er als „Wischiwaschi“ bezeichnete. Auch Dirk Bodes von der Neuen Bürgerliste NBL mäkelte, dass der Vorschlag schon viel früher hätte kommen müssen. Seiner Ansicht nach solle das Vorhaben öffentlich ausgeschrieben und ein Ideenwettbewerb angegliedert werden.

Die Mehrheitsfraktion zeigte sich unbeeindruckt: Der Antrag wurde gegen die Stimmen der anderen durchgedrückt.

Von Karl Schönholtz

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