Mitarbeiter des Riesenrads Bellevue schlafen wenig, arbeiten hart und lachen viel

Putzen, Witze, Kontrollen

Immer einen Spruch auf Lager: Cord Grüning sitzt an der Kasse des Riesenrads Bellevue. Dort hat er spaßige, aber auch weniger lustige Begegnungen mit Besuchern. Fotos: Stehr

Bad Hersfeld. Ein Witz ist am Riesenrad Bellevue vollkommen überholt. Wer versucht, seine Körpergröße durch Rutschen auf den Knien zu verringern, um bis 1,40 Meter einen günstigeren Eintrittspreis zu erlangen, sorgt für alles, nur nicht für Lacher. „Das“, sagen Chefin Ariane Bruch, Betriebsleiter Markus Erber und Mitarbeiter Cord Grüning einstimmig, „erleben wir jeden Tag, an jedem Standplatz.“

Im Mannschaftsquartier: Raul Valentin Rotar (links) und Alex Macsim.

Dabei geht es rund um das 55 Meter hohe Riesenrad, das alle zwei Jahre auf dem Lullusfest Station macht, eigentlich lustig zu. Morgens fällt schon mal der ein oder andere komische Spruch, wenn der Kollege in Unterwäsche fröstelnd zwischen den Wohnwagen umherirrt, weil auf der Toilette das Papier ausgegangen ist. „ Das ist nett gemeint. Wir sind eine gute Gemeinschaft“, betont Richard Krolzig.

Sonst lassen es die 13 Mitarbeiter am Morgen eher ruhig angehen. Jede Minute, die zum Schlafen genutzt werden kann, wird genutzt. Die Nacht ist kurz genug. Das Frühstück fällt, obwohl es extra einen Küchenwagen gibt, entsprechend mager aus. Ein schneller Kaffee im Stehen reicht den meisten.
Dann geht es auf den Marktplatz. Zu Fuß marschieren alle gemeinsam von ihrem Quartier an der Geistalhalle zehn Minuten bis zu ihrem Arbeitsplatz. „An anderen Standorten wohnen wir direkt neben dem Riesenrad“, berichtet Krolzig. Aber ein paar Meter weiter weg zu wohnen, hat auch Vorteile. „Hier ist es ruhiger. Manchmal schlafen wir direkt neben Festzelten. Da kann es dann sehr laut sein“, sagt er. Während sie gehen schlägt Markus Erber vor: „Vielleicht sollten wir jetzt noch gemeinsam singen.“ Einen Text liefert er gleich hinterher. „Wir sind die vom Riesenrad...“, intoniert er so, wie man es aus amerikanischen Filmen von marschierenden Soldaten kennt. Die, die es hören lachen.

Alle Handgriffe sitzen

Prüfen: Gabriel „Gabi“ Pal bei der Kontrolle der Anlage.

Am Riesenrad angekommen ist keine Zeit mehr. Die „Splintkontrolle“ steht an. Jeder Handgriff sitzt. Das Rad dreht sich, die Mitarbeiter stehen auf schwankenden Plattformen, von denen die höchste fast 25 Meter über dem Boden hängt. Jedes Verbindungsstück wird überprüft. Dann geht es ans Putzen. Flink und mit geübten Handgriffen werden die Scheiben gereinigt. „Hier wird jede Hausfrau neidisch“, sagt Erber. Zwei Minuten brauchen jeweils zwei bis drei Mitarbeiter für eine Kabine. „Sage noch mal einer, Männerwirtschaft taugt nix“, kommentiert der Betriebsleiter grinsend.
Als alle 42 Gondeln gereinigt sind, wird es kurz ruhiger. „Das ist das Aufwärmprogramm, jetzt sind alle wach“, meint Krolzig. Besonders bei Kälte sei das ein guter Muntermacher. Die Musik wird eingeschaltet, die Mitarbeiter schnaufen kurz durch. Manche beißen mal in ein Brötchen und trinken noch einen Kaffee.

Doch dann ist es mit der Ruhe wieder vorbei. Die Gäste kommen. An den beiden Kassenhäuschen bilden sich Schlangen. Cord Grüning hat für jeden, der eine Karte kauft, einen Spruch auf Lager. Manche sind nett, manche bissig. Aber immer mit freundlichem Lächeln.

Das vergeht den Mitarbeitern am Riesenrad nur, wenn mal wieder ein 1,90 Meter langer Kerl versucht, sich auf Knien unter 1,40 Meter zu verkürzen, um eine günstigere Eintrittskarte zu ergattern.

Von Claudia Stehr

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