Türken im Landkreis betrachten die Entwicklungen in der Heimat unterschiedlich

Putsch in der Türkei bewegt auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Jubelnde Türken in der Nacht zu Sonntag in Istanbul. Im Kreis sind die Reaktionen auf den Putschversuch unterschiedlich.

Hersfeld-Rotenburg. Tote, Festnahmen, Trauer, Wut und Party: In der Türkei haben sich seit der Nacht zum Samstag die Ereignisse überschlagen. Davon betroffen sind auf die eine oder andere Art natürlich auch die bei uns lebenden türkischstämmigen Bürger.

500 Menschen mit zumeist türkischen Wurzeln demonstrierten am Samstagabend auf dem Königsplatz in Kassel gegen den Putschversuch von Militärs gegen die türkische Regierung. Mit türkischen Fahnen, Gesängen und Sprechchören gaben sie auch ihrer Erleichterung über den Ausgang der dramatischen Ereignisse am Wochenende Ausdruck.

Mit dabei waren auch zwölf Mitglieder des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Ditib aus Bebra, der insgesamt 120 Mitglieder hat. „Wir waren in großer Sorge und haben an der Kundgebung teilgenommen, um zu zeigen, dass auch die Türken in Deutschland hinter der Türkei stehen“, betonte Hamza Dönertas, der neue Vorsitzende des Kulturvereins. „Wir wollten zeigen, dass wir ein Land sind und zusammenhalten, egal ob Türken oder Kurden, ob Anhänger oder Gegner von Präsident Erdogan“, sagte der 42-Jährige. „Wir wollten die Millionen Türken in der Türkei unterstützen, die gegen den Putsch auf die Straße gegangen sind. Damit haben auch wir ein bisschen dazu beigetragen, den Putsch zu beenden“, so Dönertas weiter.

Mit gemischten Gefühlen nimmt M. Cenik aus Bad Hersfeld die vielen, teils auch widersprüchlichen Informationen auf. „Es gibt noch viele Fragezeichen, vieles bleibt im Dunkeln“, sagt der bekennende Erdogan-Gegner. Er und seine Tochter glauben, dass der türkische Präsident den Putsch inszeniert hat. Sie verweisen auch auf grausame Videos, die online von getöteten Soldaten kursieren sollen.

In den kommenden Wochen wollten die beiden eigentlich in der Heimat Urlaub machen, jetzt sind sie noch unentschlossen, ob sie die Reise in die Türkei wirklich antreten sollen. Man wolle erstmal die weiteren Entwicklungen abwarten

Sofort im Internet und in den Nachrichten informiert hat sich auch der 22 Jahre alte Atakan Aksoy aus Bad Hersfeld, der mit sieben Jahren nach Deutschland gekommen ist. Er machte sich Sorgen um seine Verwandten in der Türkei, die er sofort anrief.

Von dem „kleinen Bürgerkrieg“ sei er nicht völlig überrascht gewesen, davon, dass sich die Armee anscheinend gegen die eigenen Bürger stelle, allerdings schon. Dass Erdogan den Putsch inszeniert hat, könne er sich eigentlich nicht vorstellen, schließlich schade das Ganze auch der Wirtschaft und dem Tourismus.

Yalcin Solak aus Bad Hersfeld vermutet „innere oder äußere Kräfte“ hinter dem Putsch, die dem aufstrebenden und demokratischen Land Türkei schaden wollten. Erdogan sei von der Mehrheit der Bürger gewählt, ihn als Diktator zu bezeichnen sei falsch, meint Solak. Insgesamt sei das, was passiert ist, „eine traurige Sache.“ (dup/nm)  

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