Von Pulverdampf und freier Rede

Kai A. Struthoff

Langsam legt sich der Pulverdampf. Jetzt gilt es, mit den Schaden des Festspiel-Gefechts zu begrenzen und gleichzeitig nach vorn zu schauen. Für alle Beteiligten waren es harte Wochen, die Spuren hinterlassen haben. Nicht nur der geschasste Festspiel-Intendant, auch Bürgermeister Thomas Fehling ist nach der Auseinandersetzung schwer gezeichnet. Manche Kritik tat ihm vermutlich bitter weh.

Der Bürgermeister beklagt, dass im Zuge des Festspiel-Streits auch viel Falsches verbreitet wurde. Falls das so sein sollte, trägt er daran selbst ein gerütteltes Maß an Mitschuld. Anstatt in die Informationsoffensive zu gehen, gab es Antworten von ihm meist nur per Pressemitteilung und auf Nachfrage. Das schafft Platz für Interpretationen. Diese Schwächen in der Kommunikation – nicht nur gegenüber der Presse – sind wohl auch der Hauptgrund für die Festspiel-Krise. Vielleicht ändert sich das ja jetzt – immerhin sprach Thomas Fehling von einem Neubeginn.

Natürlich beginnt nach den Wortgefechten auch die Legendenbildung. So heißt es, die HZ habe missliebige Leserbriefe nicht abgedruckt. Das ist völliger Quatsch! Seitenweise haben wir im Nachgang des Intendanten-Rauswurfs Leserbriefe zu dem Thema veröffentlicht. Dass dabei die Kritik an der Entscheidung des Magistrats überwog, liegt freilich nicht an der HZ, sondern an der Meinung der Leser.

Wir haben jedenfalls alle Leserbriefe, die mit Name und Anschrift versehen waren, veröffentlicht. Nur eine einzige Zuschrift wurde aus juristischen Gründen abgelehnt – mit der Bitte um Überarbeitung durch den Verfasser.

Reden können hätte Bürgermeister Fehling natürlich auch beim Freiluft-Forum der HZ. Die Veranstaltung stand allen offen, niemand war explizit eingeladen. Dem Sprecher des Bürgermeisters hatte ich ausdrücklich gesagt, dass uns auch Thomas Fehling herzlich willkommen ist. Dass er nicht gekommen ist, mag man verstehen. Umso mutiger fand ich das beherzte Auftreten von Bernd Böhle (FDP) und Gunter Grimm (CDU). Sie hatten die Einladung an alle Entscheidungsträger in unserer Zeitung verstanden. Dass sie ihre Positionen auch gegen Buhrufe verteidigten mussten, war natürlich nicht fair, schließlich ging es bei dem Forum um freie Rede.

Schön wäre es freilich gewesen, wenn sich auch die anderen an dem Disput beteiligten Parteien zu Wort gemeldet hätten. Aber von der FWG, der Fraktionsgemeinschaft um Jürgen Schülbe und der sonst stets wortgewaltigen NBL kein Wort. Sind die etwa alle im Urlaub?

Genug der Rückschau: Jetzt geht es um die Zukunft! Dringend müssen die Gespräche über die Zusammenführung von Oper und Schauspiel beginnen. Dringend muss auch die geplante Doppelspitze aus künstlerischer und kaufmännischer Leitung genauer definiert werden – ja, überhaupt erstmal gefunden werden.

Und vielleicht wäre es auch an der Zeit, die Positionierung unserer Festspiele im Feld der Freilufttheater von unabhängigen Experten untersuchen zu lassen, anstatt immer nur im eigenen Saft zu schmoren. Jetzt sind alle klugen Köpfe gefordert, um gemeinsam Antworten auf die brennenden Sachfragen zu finden.

Pulverdampf und Theaterdonner aber hatten wir jetzt erstmal genug!

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