Tell-Darsteller Markus Gertken weiß die Gunst der Zuschauer zu schätzen

Publikumspreis hat hohen Wert

Ein tolles Ding, dieser Ring: Markus Gertken zeigt Intendant Holk Freytag (links) und Festspiel-Verwaltungsleiter Karl Schmidt die Feinheiten des Publikumspreises. Foto: z

Bad Hersfeld. „Fürs Theater braucht man zwei Dinge – Schauspieler und Publikum. Die einen machen etwas vor, die anderen schauen zu.“ So erklärt Markus Gertken, frisch gekürter Publikums-Preisträger der Bad Hersfelder Festspiele, aus seiner Sicht die Grundlagen der Schauspielkunst und unterstreicht damit, wie wichtig ihm gerade das Votum der Zuschauer ist.

Als ihn Intendant Holk Freytag kurzfristig zur letzten Vorstellung des Musicals West Side Story am vergangenen Samstagabend einlud – per E-Mail mit dem Hinweis „Es wäre schön, wenn Du kommen könntest, frag’ nicht, warum“ – da ahnte er schon etwas.

Als Tell überzeugt

Gertken hat sein Publikum mit seiner Rolle als Wilhelm Tell überzeugt. In der Inszenierung von Holk Freytag spielte er den Schiller-Helden als natur- und freiheitsliebenden Individualisten, der mit seiner Familie im VW-Bus umherzieht und unfreiwillig in die Mühlen der Macht gerät.

Die Stimmzettel für die Zuschauer waren in jeweils drei Vorstellungen jeder Produktion in der Stiftsruine verteilt worden. Etwa tausend ausgefüllte Zettel seien zurückgekommen, sagte Festspiel-Verwaltungsleiter Karl Schmidt. Gertken sicherte sich den Preis mit zwei Stimmen Vorsprung – vor wem, wollen die Festspiel-Verantwortlichen lieber nicht verraten.

„Letztendlich sind wir hier alle bemüht, die Menschen fürs Theater zu begeistern“, unterstreicht der Preisträger – räumt aber auch ein, dass er sich gerade angesichts der starken Konkurrenz über den Preis gefreut habe.

Zum dritten Mal dabei

Mit Gerken hat nach vielen Jahren, in denen immer Musical-Darsteller in der Publikumsgunst vorn lagen, wieder einmal das Mitglied eines Schauspiel-Ensembles den Preis gewonnen. Nach seinen Rollen als Lionel in „Die Jungfrau von Orleans“ 2008 und als Odysseus in der „Odyssee“ 2009 stand er in dieser Saison zum dritten Mal hintereinander auf der Bühne der Stiftsruine.

Seit 1995

Der Publikumspreis der Bad Hersfelder Festspiele wurde 1995 vom damaligen Intendanten Volker Lechtenbrink eingeführt und besteht aus einem Ring, auf dem die Schwurhand Karls des Großen vor der Kulisse der Stiftsruine zu sehen ist. Auf deren Ostgiebel prangte einst über der Apsis eine goldene Skulptur jener zum Schwur erhobenen Hand des Kaisers.

Der Preis soll in jedem Jahr von einem anderen Bürger Bad Hersfelds gestiftet werden. Der erste Stifter war gleichzeitig der Gestalter des Rings, Juwelier Gunther Laufer-Klitsch. Diesmal wurde der Preis von der Wirtschaftsbetriebe Bad Hersfeld GmbH gestiftet und von Bürgermeister Hartmut H. Boehmer überreicht.

Von Peter Lenz

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