„Show Boat“-Regisseurin Melissa King über ihre Arbeit und alltäglichen Rassismus

Das Publikum soll schwitzen

Melissa King, Regisseurin und Choreografin des Musicals „Show Boat“. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Sie möchte ihr Publikum berühren und bewegen. Ein bisschen unwohl sollen sich die Besucher des Festspiel-Musicals „Show Boat“ aber auch fühlen. „Ich möchte, dass sie anfangen zu schwitzen“, sagt Regisseurin Melissa King, denn das Stück erzählt ja nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch von Rassismus und Unterdrückung.

Und King ist selbst überrascht, wie aktuell dieses Thema auch heute noch ist. „Anfangs habe ich das Stück für etwas schwach gehalten“, räumt sie ein, doch das hat sich gründlich geändert. „Es gibt wunderschön geschriebene Musik und eine wichtige, aber nicht übertriebene Botschaft“, hat sie festgestellt.

Denn die Mechanismen des Schwarz-Weiß-Denkens im Amerika der dreißiger Jahre – der Entstehungszeit von „Show Boat“ – erkennt King auch in der heutigen Gesellschaft wieder, wenn es um Diskriminierung geht, etwa durch Ausbeutung bei der Arbeit und durch sexuelle Übergriffe. „Das funktioniert genauso, und es passiert jetzt“, sagt sie.

Die Inszenierung in der Stiftsruine ist nicht die erste große Regiearbeit der renommierten Choreografin, aber durch die Dimensionen der riesigen Bühne eine Herausforderung. King hat deshalb gemeinsam mit Bühnenbildner Knut Hetzer („Wir ergänzen uns gut“) besonderen Wert auf fließende Übergänge gelegt. Überhaupt fällt ihr die Übernahme der Verantwortung für die gesamte Produktion nicht schwer. „Jede Bewegung hat einen Grund“, sagt King, und hat ihre Arbeit an den tänzerischen Elementen auch bisher nie isoliert betrachtet, sondern als Fortführung der Geschichte in das Regie-Konzept eingepasst. „Mir haben schon viele gesagt, meine Choreografie sei eigentlich Regie“, lacht die Amerikanerin.

Dass es bei „Show Boat“ in der Stiftsruine auf der Bühne kein Boot zu sehen gibt, das war für King und Hetzer von Anfang an klar. „Wir wollten kein Boot haben“, sagt sie, „denn sonst wäre das Stück in seiner Zeit geblieben.“ Unverzichtbar war für sie aber das Baumwollfeld in der Apsis. „Das ist ein Zeichen dafür, was die Schwarzen durchgemacht haben“, sagt Melissa King, der es bei ihrer Arbeit an „Show Boat“ auch darum ging, den Unterdrückten ihre Würde zurückzugeben.

Von Karl Schönholtz

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