Leitartikel: Markus Pfromm über die Amtsführung von Bürgermeister Fehling

Provinzielle Trauerspiele

HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm

Endlich Direktwahlen auch in Hessen. Das hatte seinen Charme. Doch die Hauptqualifikation „Stallgeruch“ hat längst schlimme Blüten getrieben. Es kann auch gut gehen. Aber meist nur dort, wo direkt gewählte Bürgermeister zusätzlich von stabilen Mehrheiten getragen werden oder die Amtsinhaber mit Geschick und Einfühlungsvermögen agieren.

Leider trifft dies auf Bad Hersfeld nicht zu. Jüngste Ausblühung eines abstrusen Kurses von Rathauschef Thomas Fehling ist die Inszenierung des fristlosen Rauswurfs von Festspiel-Intendant Holk Freytag noch vor Ablauf der Spielzeit. Gewiss, der ließ sich im Wortsinn nicht fernsteuern, war unbequem und eigenwillig. Ein Künstler eben.

Doch gerade im Umgang mit Menschen, die „anders“ sind, zeigt sich die gefährliche Seite der Kleinbürgerlichkeit. Wem es an Toleranz, Humor, Verständnis, Vertrauen und Empathie mangelt, der klammert sich an Zahlen und Statistiken. Wer nicht in der Lage ist, durch die Kraft seiner Argumente – und wo es angebracht ist knallhart hinter verschlossenen Türen – Konflikte zu regeln, der trägt diese zur vermeintlichen Reinwaschung seiner selbst öffentlich aus. Im Zweifel muss dann das sogenannte Kollegialorgan Magistrat herhalten.

Mit welchen Aussichten sich die FWG und die Fraktionsgemeinschaft von Fehling haben einbinden lassen bei der angesichts deutschen Arbeitsrechts wohl sehr teuren fristlosen Kündigung des Intendanten zwei Jahre vor der Zeit, das wird vielleicht einmal die Zukunft weisen.

Welches ist das Fehlingsche Verständnis von Verantwortung? Natürlich soll und muss er den Haushalt zusammenhalten. Aber was sollte das unwürdige Gezerre um die Festspiele? Freilichttheater, das gibt es doch woanders auch billiger, das hat Herr Fehling recherchieren lassen. Ja, mag sein. Doch wer sich nach dem Mittelmaß oder noch weniger ausrichtet, der droht das durch Kirchturmpolitik bereits ramponierte Ansehen der Stadt und seines Flaggschiffs Festspiele weiter zu beschädigen. Weniger geht immer.

Augenscheinlich hat Herr Fehling den ermutigenden Fingerzeig unseres Staatsoberhauptes nicht verstanden. Mit der Einladung seines österreichischen Amtskollegen in die Stiftsruine hat Bundespräsident Gauck sogar eine Brücke zu den Salzburger Festspielen geschlagen und damit den Qualitätsanspruch für Bad Hersfeld unterstrichen. Diese Vorlage hat Fehling verpasst.

Stattdessen musste das geneigte Publikum weiter die peinlich zur Schau getragene Verbissenheit Fehlings im Kampf gegen den ihm verhassten Intendanten mitertragen. Sie führte bei mir zu einer Form von Fremdschämen. Was bei vielen publizistischen Kollegen bundesweit ankam, mündete meist verwundert in der Frage: Machen die sich ihre schönen Festspiele ohne Not selbst kaputt? Und so wurde denn auch landauf landab munter berichtet.

Die Festspiele indes sind ja nur der medienträchtigste Teil der nicht nachvollziehbaren Arbeit von Bürgermeister Fehling. Opfer seiner Amtsführung sind ebenfalls altgediente Führungskräfte der Verwaltung. Abgesägt, quasi funktionslos und unters Dach verbannt müssen einige ein hochdotiertes Beamtendasein fristen, werden krank oder sind demoralisiert. Andere passen sich augenscheinlich widerstandslos an, viele ducken sich weg, um weder Opfer noch Speichellecker zu werden. Was sind das für Zustände?

Auch die Sozialdemokraten müssen sich fragen lassen, welchen Anteil sie an den neuen Bad Hersfelder Verhältnissen tragen. Jahrelang haben sie sich im charismatischen Glanz des früheren Bürgermeisters Boehmer gesonnt und sich bis zur Unkenntlichkeit angepasst. Dann haben sie einen wenig überzeugenden Kandidaten aufs Schild gehoben. So ging Fehlings „Herschfeller Jong“-Strategie auf. Weil das Wahlvolk zur Hälfte zu Hause blieb oder mangels Alternativen ratlos an der Urne stand. Dass Fehling, dies sei ihm zu Gute gehalten, ein finanziell hoch belastetes Erbe übernahm, das spüren wohl auch die Sozialdemokraten insgeheim selbst als Hypothek aus euphorischen Zeiten.

So wenig wie bei der SPD lässt sich im bürgerlichen Lager der CDU erkennen, dass eine echte personelle Alternative zu Bürgermeister Fehling aufgebaut wird. Ja heißt denn die Devise tatsächlich „Weiter so“? Die Stadt steht im Wettbewerb mit starken Standorten wie Fulda oder Kassel. Selbst in Bebra oder in Hünfeld bauen sich Angreifer auf die gute Zentralität und die Einzelhandelsbedeutung der Stadt auf. Und niemand gibt uns eine Garantie, dass die Logistik-Karawane nicht dereinst weiter zieht. Aus meiner Sicht ist die Stadt bereits einen Schritt zurückgefallen. Allein Stillstand ist bekanntlich Rückschritt.

Den erfolgreichen Taktgeber im Bürgermeisteramt sehe ich nicht. Und die im Rahmen des Ehrenamtes sehr zu würdigende Arbeit der politischen Laien reicht nicht aus, dies zu kompensieren. Eine Stadt der Größe und der (noch) Bedeutung Bad Hersfelds braucht eine echte Persönlichkeit, die mit Fleiß, Sachverstand, Energie, Verbindlichkeit, Ideen, Diplomatie und natürlich auch dem nötigen Quäntchen Glück voranschreitet. Thomas Fehling ist das nicht. Statt seine Verwaltungsmitarbeiter als „Frösche“ zu denunzieren, deren „Sumpf“ trocken zu legen sei, hätte er eine tüchtige Verwaltungsmannschaft auf sich einschwören müssen. Zu spät.

Ich hoffe bei der nächsten Bürgermeisterwahl auf eine echte Alternative. Gerüchten widersprechend werde ich selbst keine sein wollen. Ich wünsche mir eine Frau oder einen Mann mit Kompetenz im kommunalen Haushaltsrecht, mit Erfahrung in der Mitarbeiterführung im öffentlichen Dienst und wohl am besten auch mit dem unverstellten Blick von außen auf Bad Hersfeld. Die Stadt hat nicht nur auf der Festspielbühne Besseres verdient als provinzielle Trauerspiele.

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