Rund 300 Teilnehmer demonstrieren bei Sternmarsch gegen Windkraft am Wehneberg

Protest im Winterwald

Demo im Wald: Die rund 300 Teilnehmer des Sternmarsches trafen sich an der Dachshütte im Stadtwald, eben dort, wo möglicherweise schon bald ein Wendeplatz für die schweren Maschinen der Windrad-Bauer entstehen könnte. Fotos (2): Struthoff

Bad Hersfeld. Als Winter-Wunderland präsentiert sich der Stadtwald am Wehneberg an diesem Sonntag. Weiß bestäubte Äste, gedämpfte Töne, nur knarzender Schnee. In weißen Wölkchen steht die Atemluft vor den vor Kälte glühenden Gesichtern der rund 300 Protestmarschierer, die an diesem ersten richtigen Wintertag des Jahres zur Dachshütte stapfen.

Gewaltige Papp-Rotmilane spreizen ihre Schwingen über dem Protestzug, auf Schildern wird der geballte Unmut der Teilnehmer gegen die Windkraft-Pläne der Wiesbadener Firma Abo-Wind deutlich. Im Protestzug auch zahlreiche Politiker aller Parteien und Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling. An der Dachshütte, dort wo sich mehrere Wanderwege kreuzen, treffen die Marschierer aus Heenes, Allermershausen, vom Wehneberg sowie aus den Ludwigsauer Ortsteilen Rohrbach, Friedlos und Biedebach aufeinander.

„Schauen Sie sich das alles nochmal gut an, hier wird sich vieles verändern“, ruft Markus Gressmann, Sprecher der BI-“Rettet den Stadtwald“ ins Mikrophon. Denn an der Dachshütte soll eine Wendestelle für die schweren Maschinen eingerichtet werden, die hier schon bald den Waldboden umpflügen könnten. „Im Moment geht in der Politik alles drunter und drüber“, sagt Gressmann – ob das für die Windkraftgegner gut oder schlecht ist, weiß man nicht.

Andrea Zietz von der Bürgerinitiative gibt noch einmal eine Chronologie des Protests und wehrt sich gegen den Vorwurf, die Bürgerinitiative hätte zu spät gehandelt. „Die Stadt brauchte ganz neun Monate, um uns über das Projekt zu informieren, wir nur eine Woche, um den Widerstand zu formieren.“ Sie bedauert, dass es keine Bürgerbefragung zu dem Thema gegeben hat, und kritisiert, dass außer der CDU im Stadtparlament keine Fraktion den Vertrag mit Abo-Wind eingesehen habe.

Kritik auch aus Ludwigsau

Heftige Kritik kommt auch von den Nachbarn aus Rohrbach. Ortsvorsteher Karl Grebe, der einen Papp-Milan vor sich her trägt, orakelt von einem „Disko-Himmel“ mit rot-blinkenden Lichtern auf den die Menschen in seinem Tal künftig blicken müssen. „Es kann nicht sein, dass einige Geld verdienen und wir als Nachbarn das Nachsehen haben“, sagt Grebe. Für ihn ist klar: „Die Politik hat versagt“

Auch Henning Stutz, der mit seiner Familie direkt am Stadtwald wohnt, und der Arzt Reinhard Kuhl bringen ihre Bedenken bezüglich des mangelhaften Brandschutzes und der „einseitigen“ Gutachten zum Vogelschutz vor, während Gressmann die Windhöffigkeit anzweifelt.

Vergleiche mit den Messstellen in Friedewald hätten ergeben, dass auf dem Wehneberg maximal 5,4 und nicht wie von Abo-Wind behauptet 5,8 Meter pro Sekunde wehen. Die BI habe das Windgutachten daher angefochten.

Mit einem eindringlichen Appell an die Verantwortung der Stadtverordneten endet die Kundgebung. Auf dem Heimweg können die Teilnehmer an den blauen Markierungen erkennen, welche Bäume vielleicht schon bald für Windräder fallen müssen – womöglich noch bevor der Schnee geschmolzen ist.

Von Kai A. Struthoff

Fotos vom Protestmarsch

Windkraft-Protestmarsch am Wehneberg

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