Die Aktion macht Schule: Schüler parken vor dem Landratsamt – und werden gehört

Der Protest öffnet Türen

Protest um die Parkplätze: Mit einer Autokarawane verstopften die Oberstufenschüler den Parkplatz des Landratsamts. Foto: Schleichert

Bad Hersfeld. Eine Autokarawane kriecht über den Parkplatz. Schüler parken ihre klappernde zwischen Dienstwagen des Landratsamts. Noch still und leise sammeln kleine Grüppchen sich im morgendlichen Laternenlicht. Ist es die Ruhe vor dem Sturm, der das Landratsamt wachrütteln soll?

Sie wollen den Parkplatz verstopfen. Nicht wie üblich vor der Obersbergschule, sondern dort, wo „die Schuldigen für das Problem sitzen“, wie eine Schülerin anklagend Richtung Landratsamt weist. Das Problem, das sind die Parkplätze vor den Obersbergschulen. Dort ist wenig Platz für viele Autos. Seitdem die Mensa gebaut wird, ist die Not am Platz akut.

Flugblätter fliegen nicht

„Wenn wir an der MSO parken, bekommen wir Strafzettel“, steht Schwarz auf Weiß auf den Flugblättern, „deshalb parken wir jetzt hier.“ Marius Freund verteilt einen Stapel der Papiere. „Teilt aus“, sagt Schulsprecherin Maike Simla. Doch dann erklingt ein Laut des Einwands, drüben vom Hauptgebäude.

„Halt“, ruft die Stimme des Hausmeisters, „die dürft ihr hier nicht verteilen.“ Die Schüler drehen sich um, zögern, schlurfen dann eingeschüchtert zurück zur Truppe. Die Flugblätter, sie fliegen nun in den Müll. „Wie hat er davon Wind bekommen?“, fragt eine Schülerin verwundert. „Internet“, antwortet ihre Freundin.

Die Plattform des Protests ist das Internet. Über das Webportal Facebook hat die Schülervertretung ein Netzwerk gestrickt und so am Wochenende zum Protest aufgerufen. Mehr als 300 Schüler wurden online eingeladen. „Wenn man aber überhaupt nichts macht, ändert sich erst recht nichts!“, schreibt Simla im Internet gegen die motzenden Mitschüler an, die die Pläne als „peinlich“ oder „dumm“ bezeichnen.

Etwa 60, vielleicht 70 Schüler sind trotzdem aus dem Bett geklettert. Jetzt warten sie auf ein Zeichen aus Richtung Rathaus. Dürfen sie durch die Straßen Hersfelds ziehen? „Wir wollen doch richtig Aufsehen erregen“, sagt Marius Freund. Flugblätter verteilen dürfen sie nicht, demonstrieren müssen sie erst lernen. Die Karawane wollte schon längst zu Fuß Richtung Schule ziehen. Jetzt steckt sie fest. Es ist kurz vor Unterrichtsbeginn, als Thomas Kemmer die Nummer des Ordnungsamts heiß wählt. Die Polizeistreife, die die Schülervertreter angefordert haben, ist schon da, doch die Ordnungsbeamten haben noch kein grünes Licht gegeben.

Doch die Fronten sind nicht völlig festgefahren. Michael Adam hat sich warm angezogen. Es ist kurz vor acht, als er in die Kälte tritt und sich durch die Traube wartender Schüler schlängelt. Der Kreispressesprecher kennt das Problem, und er kennt auch die Argumente der Schüler. „Die Vertreter jedes Jahrgangs waren schon hier“, sagt Adam. Neue Argumente haben diese nicht. Doch mit Autokarawane, Transparenten und Flugblättern haben sie bisher verschlossene Türen geöffnet. „Kommt rein“, sagt Adam zu drei Schülervertretern.

„Ich werde Ihre Vorschläge prüfen“, sagt Wilfried Radick vom Fachdienst der Schulverwaltung wenige Minuten später zur Schülervertretung. Und auch der Landrat will mit den Schülern sprechen. Die Schülerkarawane zieht weiter – im feiernden Autokorso Richtung Obersberg. Infos auch auf unserer Facebook Seite

Parkplatzsituation am Obersberg

Von Pia Schleichert

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