Projekt: Festspiele 2015

Kai A. Struthoff

Wo bitte ist das Sommerloch? In unserer Redaktion jedenfalls ist davon noch nichts zu merken. Vor allem wird viel gefeiert: Eben noch Strandfest, dann Weinfest und am nächsten Wochenende mein ganz persönliches Lieblingsfest – das Hippie-Festival in Breitenbach am Herzberg. Außerdem stehen noch drei Festspiel-Highlights bevor: Das Eichhof-Stück „Halbe Wahrheiten“, Borcherts „Draußen vor der Tür“ in der Schilde-Halle und der Musikabend „I hate music, but I love to sing“, der in Bad Hersfeld und am 22. 7. in der HKZ-Arena in Rotenburg zu erleben ist. Langeweile sieht anders aus.

Zugegeben: So richtig überraschend ist das Jury-Votum für die Hersfeld-Preise in diesem Jahr nicht. Man muss wohl kein Feuilletonist sein, um die außergewöhnlichen Leistungen von Helen Schneider und Bastian Semm zu erkennen. Beide sind würdige Preisträger und ihre Freude über die Auszeichnung war nicht gespielt. Herzlichen Glückwunsch!

Für Bastian Semm düfte der Preis einen ordentlichen Karriereschub bedeuten. Doch vorerst zieht es ihn nach Nashville im amerikanischen Tennessee, wo er auf den Spuren seines musikalischen Idols Johnny Cash wandern will. Vielleicht singt er uns vorher noch ein paar Songs gemeinsam mit Helen Schneider, denn die hat unlängst gemeinsam mit Gunter Gabriel in einem Musical über den Country-Star gespielt. Semm und Schneider – das wäre echt ein „Ring of Fire“.

In einen Ring aus Feuer hat sich selbstbewusst der neue 1. Vorsitzende der Freunde der Stiftsruine, Helgo Hahn, gewagt, als er den seit langem schwelenden Konflikt zwischen Festspiel und Oper angesprochen hat. Wohltuend waren seine klaren Worte und sein mahnender Appell zur Zusammenarbeit. Doch das dürfte schwierig werden. Die Leserbriefe zu unsererm Montagsinterview mit Holk Freytag vergangene Woche zeigten, wie kontrovers das Themas ist.

Helgo Hahn sprach von dem Projekt Festspiele 2015 – und rief zu einer „Mediation“, also Vermittlungsgsprächen, auf. Die Ruinenfreunde sind dabei sicher gute Vermittler, denn ihnen liegt das Wohl der ganzen Kultur am Herzen. Hoffentlich gelingt das Projekt!

Denn auch ohne Streit hat es die Kultur schwer genug.

Kommentare