Lüder Wohlenberg präsentierte sein Programm „Spontanheilung“

Ein Profi als Patient

Als „Profipatient“ gab Lüder Wohlenberg seinem Publikum nützliche Tipps zur Verlängerung des Krankenhausaufenthalts im Falle einer plötzlichen unerwarteten Heilung. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Als Teil des Kabarettduos Seibel&Wohlenberg ist der Kölner Kabarettist Lüder Wohlenberg bereits mehrere Male auf der Bühne des Bad Hersfelder Buchcafés zu sehen gewesen. 2008 gastierte er auch mit seinem ersten Soloprogramm „Zwei Meter Halbgott“ im Buchcafé.

Als echter Arzt behandelt er natürlich wieder das Thema, das er als Mediziner sehr genau kennen gelernt hat: Das deutsche Gesundheitssystem mit all seiner ausufernden Bürokratie und Ineffizienz.

Zwei Blickwinkel

Aus zwei Blickwinkeln, abwechselnd als Arzt und Patient, betrachtet Lüder Wohlenberg humorvoll Phänomene und Schlagwörter aus der modernen Medizin und spannt an passender Stelle auch mal den Bogen zu überraschenden Parallelen in Politik und Gesellschaft.

Höchst amüsant war Wohlenbergs Vergleich eines Arztbesuchs mit einem Werkstatttermin für ein Automobil. Da gibt es natürlich eine vierteljährliche Werkstattgebühr und ein Bonusheft für Keilriemen. Besonders beliebt sind beim Mechaniker chronische Vergaser, und die Private Autoversicherung versichert nur Fahrzeuge, die niemals bewegt werden.

Auch die Politik bekommt in Wohlenbergs neuem Programm ihr Fett weg. Sein erstes Ziel war FDP-Gesundheitsminister Rösler, der sich 2010 bei einem Auftritt in einem bayrischen Festzelt zweifelhaften Ruhm als Hobbykabarettist erworben hat. Er erinnerte auch an die ehemalige SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die ein echter „Workaholic“ gewesen sein muss, hatte sie doch sogar den Dienstwagen mit in ihren Spanien-Urlaub genommen.

Alles nur kopiert

Natürlich hatte Wohlenberg auch eine Meinung zur aktuellen Affäre „Dr.“ Guttenberg. Er äußerte den Verdacht, dass auch die zwölf Vornamen von Verteidigungsminister Guttenberg kopiert sind, denn er hat sie „irgendwo schon früher mal gelesen“.

Die Lobbyisten der Pharmaindustrie bekommen in Wohlenbergs Parodie stark mafiöse Züge, wenn sie zum Beispiel für sie relevante Gesetzestexte gleich selbst formulieren dürfen.

Als „Profipatient“ beschwert er sich zurecht über seine Spontanheilung, denn gesund kann er sich ja schließlich nicht mehr bei seiner Selbsthilfegruppe blicken lassen. Nun denkt er laut über eine Selbstinfektion mit einem resistenten Klinikbakterium nach, und außerdem müsse man ja auch mal an die nachfolgende Generation denken. Die Körper der letzten geburtenstarken Jahrgänge sind schließlich die Arbeitsplätze der Zukunft in Deutschland.

Lüder Wohlenbergs Definition von Gesundheit lautet abschließend dann auch: „Gesund ist, wer nicht richtig untersucht wurde!“

„Jubiläum“

Übrigens gab es an diesem Abend auch Grund zum feiern, denn das Kabarett-Team des Buchcafés organisiert nun seit genau zehn Jahren durchweg gut besuchte Gastspiele. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Insgesamt 130 Veranstaltungen zogen 12 500 Zuschauer an.

Das Veranstaltungsteam bedankte sich beim Publikum für seine Treue und versprach, auch weiterhin Kabarettveranstaltungen auf dem gewohnt hohen Niveau anzubieten. .

Von Werner Rödiger

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