Produkt der Freiheit

Michael Roth

Als interessierter Zeitungsleser mag es Ihnen bisweilen wie mir gehen: Kopfschütteln beim morgendlichen Studium der Tageszeitung. Wer will das eigentlich lesen? Die Erwartungen an das, worüber Medien zu berichten haben, sind höchst unterschiedlich. Eine gut gemachte Lokalzeitung ist so bunt wie das Leben in unserer Region. Und sie wird von Menschen, nicht Maschinen gemacht.

Die gedruckte Zeitung steht heute in einem knallharten Wettbewerb. Ohne Anzeigen kann kein Blatt überleben. Und der Aktualität des (häufig) kostenfreien Internets hecheln Tageszeitungen hinterher. Immer weniger Redakteure müssen immer mehr Artikel produzieren. Gleichzeitig fotografieren sie und sind für den Umbruch verantwortlich. Ein Lokaljournalist ist dazu verdonnert, Generalist zu sein. Er oder sie muss die Untiefen der behördlichen Genehmigungsverfahren genauso beherrschen wie das Abstimmungsprozedere in der Gemeindevertretung.

Bisweilen sieht auch die Redaktion den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mein Tipp: Machen Sie Ihre Zeitung auf spannende Geschichten aufmerksam. Weniger Jahreshauptversammlung, dafür mehr Geschichten mitten aus dem Leben. Ihre Zeitung dankt es Ihnen.

Ich will nichts schön reden, was auch an unserer HZ zu kritisieren ist. Schließlich sind Zeitungen Produkte der Freiheit. Erkämpft von aufrechten Demokraten gegen die autoritäre Obrigkeit. Insofern stehen auch unsere Blätter stets in der Pflicht, Organe der kritische Aufklärung, der Ermunterung zum gesellschaftlichen und politischen Mittun zu bleiben. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es nicht nur unverdrossener Redakteure, sondern auch interessierter Leser. Beides wünsche ich uns!

Kommentare