Vertreterinnen des Frauennetzwerks trafen Vorstand der polnischen Business-Frauen

Probleme sind vertraut

Gruppenbild mit Oskar: Auf den Spuren von Günter Grass entdeckten die Netzwerk-Frauen auch ein Denkmal zum Anfassen, das Grass’ Romanfigur Oskar Matzerath zeigt. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld/Gdansk. Sie sprechen verschiedene Sprachen und sind in unterschiedlichen politischen Systemen aufgewachsen, trotzdem stellten die Frauen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg und aus der Region um Gdansk (ehemals Danzig) in Polen fest, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt, die sie verbinden.

Ins Gespräch kommen

Das Frauennetzwerk hatte als Reiseziel in diesem Jahr die polnische Hafenstadt gewählt. Dabei war es den Frauen jedoch ein Anliegen, nicht nur die Schönheiten der Stadt und des Umlandes zu erkunden, sondern auch mit polnischen Frauen ins Gespräch zu kommen. So standen Treffen mit dem Vorstand der polnischen Wirtschaftsfrauen, deren Landesverband seinen Sitz in Sopot bei Gdansk hat, und mit den Demokratischen Frauen, einer karitativen Organisation, auf dem Programm.

Auch in Polen, so erfuhren die Waldhessinnen, haben Frauen die besseren Schul- und Hochschulabschlüsse. In den Führungsetagen der Wirtschaft sind sie aber bei weitem nicht so stark vertreten, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung und ihrem Studienerfolg entspräche. Auch die Löhne und Gehälter der Frauen liegen unter denen der Männer, berichtete Alicja Reluga, die Präsidentin der Wirtschaftsfrauen.

Die Business-Frauen, ein Zusammenschluss von Unternehmerinnen, Managerinnen und Geschäftsfrauen, haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, gezielt ihre Geschlechtsgenossinnen zu fördern und zu ermutigen. Sie wollen ihnen zeigen, dass es andere Möglichkeiten der Lebensgestaltung gibt und sie ermutigen, sich zu entwickeln und ihre Fähigkeiten einzusetzen. Dazu bietet der Verband in ganz Polen Seminare und Fortbildungen an und unterstützt weibliche Nachwuchskräfte dabei, eine gute Ausbildung zu bekommen. Auch die Förderung des gesellschaftlichen und politischen Engagements gehört zu den Aufgaben des Verbandes.

Landesweiter Kongress

Mit Interesse hörten die deutschen Gäste, dass viele polnische Frauen sehr unzufrieden mit der derzeitigen Politik sind – unabhängig von irgendwelchen Parteien – und dass lediglich fünf Prozent der politischen Mandatsträger weiblich sind. Im vergangenen Jahr kamen erstmals Frauen aus ganz Polen zu einem Kongress in Warschau zusammen. Für den zweiten Kongress in diesem Jahr hätten sich bereits mehr als 4000 Teilnehmerinnen angemeldet, sagte Alina Landowska, die ebenfalls dem Vorstand angehört.

Spannend fanden die Polinnen die Pläne von Frauenbüro und Netzwerk, im Herbst ein so genanntes politisches Speed-Dating anzubieten. Dabei sollen aktive Politikerinnen und Frauen, die sich für ein Mandat interessieren, miteinander ins Gespräch gebracht werden.

Ehrenamtspreis

Auch das Konzept des Merci-Ehrenamtspreises fanden die Vertreterinnen des Wirtschaftsverbandes sehr interessant, ebenso wie die Arbeit des Vereins „Frauen helfen Frauen“. Vergleichbare Unterstützungsangebote für die Opfer familiärer Gewalt gibt es in Polen kaum, wie auch das Problem häuslicher Gewalt öffentlich noch nicht wirklich anerkannt ist.

Das Frauennetzwerk m Kreis Hersfeld-Rotenburg überlegt nun, den Verband der Business-Frauen zu den nächsten Frauenkulturwochen nach Waldhessen einzuladen.

Von Christine Zacharias

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