250 Gäste bei Diskussionsveranstaltung zu Pegida und AfD in der Bad Hersfelder Stadthalle

Dem Problem stellen

Meinungsvielfalt gegen rechts (von links): Referent Volkmar Wölk, Torsten Warnecke (SPD), Islamwissenschaftler Husamuddin Meyer, Moderator Timo Schadt, Madeleine Henfling (Grüne), Kerstin Köditz (Linke) und Dr. Michael Koch (CDU). Foto: Schönholtz

BAD HERSFELD. Die Anti-Islam Bewegung Pegida und die rechtspopulistische Partei AfD (Alternative für Deutschland) als Stimmenfänger am Rand des demokratischen Spektrums – das war das Thema einer Informationsveranstaltung, die am Montagabend etwa 250 Interessierte in die Bad Hersfelder Stadthalle lockte.

Veranstalter waren der runde Tisch für Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit, der Ausländerbeirat der Stadt Bad Hersfeld und der DGB Hersfeld-Rotenburg.

Dabei wurde von Moderator Timo Schadt ein mögliches Versagen der etablierten Parteien angesprochen, was der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke jedoch nicht gelten ließ. Man sei zwar in der Verantwortung und befinde sich im Wettbewerb, der aber nach demokratischen Spielregeln stattfinden müsse. Warnecke sagte, die Argumente der Populisten seien ihm nicht fremd, und folgerte daraus: „Wir müssen uns damit auseinandersetzen!“

Komplexe Fragen

Dr. Michael Koch, CDU-Kandidat für das Amt des Landrats im Kreis Hersfeld-Rotenburg, verneinte Berührungsängste. Man müsse die AfD inhaltlich stellen, sagte er, weil sie vermeintlich einfache Antworten auf komplexe Fragen biete.

Selbstkritisch zeigte sich in diesem Zusammenhang die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling. Ihrer Ansicht nach müssten sich die etablierten Parteien schon fragen, welchen Beitrag sie zur aktuellen Situation geleistet haben. Kerstin Köditz, Abgeordnete der Linken im sächsischen Landtag, fragte danach, wie lange eine demokratische und pluralistische Gesellschaft noch existieren könne, wenn AfD und Pegida die Macht überlassen werde.

Husamuddin Meyer, Islamwissenschaftler, Iman und Talk-Show-Gast aus Wiesbaden, berichtete zwar von wachsenden Anfeindungen, doch zuletzt hätten der Terror-Anschlag auf das Pariser Satire-Magazin Charlie Hebdo die Leute aufgerüttelt. Mayer betonte zudem die friedliche Grundhaltung des Islam.

Eingangs hatte der Rechtsextremismus-Experte Volkmar Wölk aus Dresden in einem Referat versucht, die engen Beziehungen der AfD zur Führungsriege der Pegida darzulegen. Als Argumente dienten Wölk dabei Werdegänge der Beteiligten, verräterische Zitate und Wahlprogramme. Als ein Beispiel führte er die wechselhafte politische Karriere des früheren CDU-Landtagsabgeordneten Heiner Hofsommer aus Ludwigsau an, der auch für den Bund freier Bürger und die AfD aktiv war.

Keine Kontroverse

Am Ende kritisierte Wölk, dass die Podiumsbeiträge seiner Meinung nach zu versöhnlich ausgefallen wären.

In der abschließenden Diskussion mit dem Publikum kam es ebenfalls zu keiner Kontroverse: Vertreter von AfD oder Pegida waren offenbar nicht in die Stadthalle gekommen oder meldeten sich nicht zu Wort.

Von Karl Schönholtz

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