Das Privileg der Wahl und Namen-Neugier

Karl Schönholtz

Wenn wir Ihnen heute an dieser Stelle den guten Rat geben, morgen auf jeden Fall wählen zu gehen, dann haben Sie das vermutlich erwartet. Das Privileg, in einer Demokratie mitbestimmen zu könne, was in nächster Zeit politisch passiert, sollte eben nicht leichtfertig aufgebenen werden – schon gar nicht aus Frust oder Bequemlichkeit.

Es geht in dieser Zeit aber auch noch um etwas anderes, denn Deutschland verändert sich. Im Großen, wenn Berlin nach Lösungswegen für die Flüchtlingsproblematik sucht. Und im Kleinen, wenn für diese Menschen bei uns Unterkünfte gesucht und Hilfsprogramme aufgelegt werden. Dass es dabei nicht alleine auf den guten Willen ankommt und einfache Antworten nicht im Angebot sind, versteht sich mittlerweile von selbst.

Erschrocken bin ich jedoch, als ich in der HZ vom Donnerstag lesen musste, dass der iranische Musiker Mahan Esfahani bei einem Konzert in Köln aus dem Publikum heraus fremdenfeindlich angepöbelt wurde. Esfahani spielt Cembalo, klassische Musik, also nicht unbedingt die Veranstaltung, bei der man mit solchen Zuhörer-Attacken gerechnet hätte.

Warum ich dies erwähne? Für unser nächstes Montagsinterview habe ich mit Lothar Seitz über sein Buch zur NS-Justiz in Hessen gesprochen. Auch dabei ging es darum, dass man an einem bestimmten Punkt Stellung beziehen muss, um sich nicht mit bedenklichen Tendenzen gemein zu machen oder sich von einem menschenverachtenden System vereinnahmen zu lassen.

Zu einer solchen Positionierung besteht morgen Gelegenheit, denn jedes Kreuz auf dem Wahlzettel ist dann auch ein Signal.

Die Namen der Festspiel-Promis, die in diesem Jahr auf der Bühne der Stiftsruine zu sehen sind, sind ein gut gehütetes Geheimnis – bis zur Pressekonferenz mit Intendant Dieter Wedel, die am kommenden Mittwoch stattfindet.

Doch gelegentlich machen sich diese Geheimnisse auch selbständig – so wie im vergangenen Jahr das Engagement von Helen Schneider für das Musical „Cabaret“ durch eine Zufallsbegegnung, als ich sie auf der Rolltreppe im Berliner Hauptbahnhof traf.

Diesmal sickerte ein Name durch, weil sich der Betroffene selbst verplaudert hatte: Horst Janson, TV-Zuschauern seit Jahrzehnten als „Der Bastian“ ein Begriff, rutschte in einer Talkshow heraus, dass er im Sommer nach Bad Hersfeld kommen wird.

Glücklicherweise ist sein Name nur einer von vielen, die Dieter Wedel für die Inszenierungen von „Hexenjagd“, „My fair Lady“ und „Krabat“ präsentieren wird. Insofern hat das gelüftete Geheimnis einen doppelten Effekt: Es weckt schon jetzt die Aufmerksamkeit für die Festspiele und macht ganz schön neugierig auf das, was da noch kommt.

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