Werden Lebensmittel noch günstiger, sind Existenzen bedroht

Preis fällt, aber Kosten für Landwirte bleiben

Hersfeld-Rotenburg. Die Landwirte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg fürchten um ihre Existenz. Grund sind die wieder stetig sinkenden Preise für Lebensmittel. Insbesondere Grundnahrungsmittel wie Fleisch und Milch sind davon betroffen. Der niedrige Preis der Waren im Supermarkt wirkt sich unmittelbar auf die Erzeuger aus: Langfristig drohen den Landwirten Existenzprobleme.

Während die Betriebskosten bleiben oder sogar ansteigen, sinken die Einnahmen, sagt Friedhelm Diegel, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Verantwortlich für die Preissenkung sind nach Ansicht von Kreisbauernverband-Geschäftsführerin Anke Roß die Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel. Das sind Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland). Hätten diese erstmal den Preis gedrückt, müssten auch die anderen Einzelhändler den Preis für ihre Markenprodukte nach unten korrigieren, so Roß.

Laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) kostete zum Beispiel der Liter Frischmilch für den Verbraucher Ende Oktober 74 Cent. Schon Anfang November sank er auf 66 Cent pro Liter. Zum Vergleich: Erhielten die Landwirte im Juni des Jahres 38,2 Cent pro Liter Milch, so waren es im Oktober nur noch 34,8 Cent. Für Anke Roß steht fest: „Wir haben es mit einer Geiz-ist-geil-Mentalität zu tun. Die Marktführer nutzen aus, dass viele Verbraucher auf den Preis achten.“ Indem die Lebensmitteleinzelhändler die Preise für Grundnahrungsmittel niedrig halten, würden sie außerdem die Kunden an sich binden. Weniger Geld für gleiche Qualität: Im weitesten Sinne schade die Preissenkung der Kulturlandschaft. Hinzu komme die ohnehin schwierige Mittelgebirgslage der Region. Im April 2015 falle außerdem die Milchquote weg, die bisher einen stabilen Milchpreis regelte. Auch das kann Folgen für die Landwirte haben. Hintergrund, Zum Tage, Seite 2

Von Anna Lischper

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