Jannes Philipp Mönnighoff und Lisa Rothländer als „niedriges Paar“ in Mozart-Oper

Praktiker und Erzieherin

Albern auch privat gerne miteinander herum: Lisa Rothländer und Jannes Philipp Mönnighoff haben sich in Bad Hersfeld zum Probenbeginn für die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ kennen und schätzen gelernt. Foto: Teufel

Bad Hersfeld. Sie sind das lustige Paar in der Mozart-Oper „Die Entführung aus dem Serail“. Lisa Rothländer und Jannes Philipp Mönnighoff geben Blonde und Pedrillo und haben eine ganz klare Vorstellung davon, was dieses Paar vom „hohen Paar“ Konstanze und Belmonte unterscheidet. „Pedrillo ist mehr so der Praktiker“, erklärt Mönnighoff. „Und das Blondchen ist sowas wie eine Erzieherin“, ergänzt ihn Kollegin Lisa Rothländer. Die beiden führen, so sehen es die Darsteller, eine bodenständigere Beziehung als das „hohe Paar“.

Fragt man die beiden, ob sie sich denn auch privat gut verstehen, kommt prompt die Bestätigung mit einem scherzhaften „Wir kommen einfach nicht aus der Rolle raus“ von Tenor Mönnighoff. Bisher habe es keine Anstöße gegeben, aber die Spielzeit dauere ja auch noch zwei Wochen.

Auch in Bezug auf ihren Weg zur Oper eint den Tenor und die Sopranistin etwas ganz Entscheidendes.

Sie sind beide über den Tanz zur Bühne gekommen. Bei Lisa Rothländer war es das Ballett, das sie zu ersten Auftritten brachte, bei Jannes Philipp Mönnighoff waren es unterschiedliche Tanzgruppen. Seine Eltern seien keine Profimusiker gewesen, hätten ihm und seinen Geschwistern jedoch die Möglichkeit zu musizieren eröffnet. In der Kindheit habe er mit Geigenunterricht begonnen, doch sei es in der Jugend nie sein Plan gewesen, einmal Berufsmusiker zu werden. Nach dem Schulorchester und den Tanzgruppen habe er über einen Lehrer in der Abiturzeit die klassische Musik für sich entdeckt. „Dann haben mir einfach zu wenige Leute davon abgeraten“, sagt er mit Blick auf sein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig lachend.

Energiegeladenes Gespann

Auch für Bühnenpartnerin Rothländer spielte die Oper lange Zeit eine untergeordnete Rolle. In ihrem Heimatort habe es keine großen musikalischen Institutionen gegeben, erklärt sie mit Blick auf die Oper in Bad Hersfeld. Sie nahm zunächst den Umweg über ein Schulmusikstudium, da sie sich ein Gesangsstudium nicht von Beginn an zutraute. Später folgte dieses aber doch noch an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Nach ihrem Abschluss war die Sopranistin dann einige Zeit als freiberufliche Sängerin tätig.

Da sie sich selbst im Realen wie auch in „Die Entführung aus dem Serail“ als energiegeladenes Gespann sehen, sind sie froh, dass Regisseur Hugo Wieg es, wie die sie sagen, stets schafft ihren Überschwang in bühnentaugliche Bahnen zu lenken.

Für die beiden hat Oper den besonderen Reiz, dass man sich auf der Bühne ausleben kann. „Oper ist wie später noch Kind sein“, gesteht Rothländer lachend. Aber die Sopranistin genießt auch die Nähe zum Publikum, das man mit dem, was man tut, erfreuen könne. „Ein Teil der Energie, die man abgibt, kommt immer wieder zurück“, so die 29-Jährige.

Auf die Frage, warum ihre berufliche Wahl auf Oper und nicht Musical gefallen ist, hat Jannes Philipp Mönnighoff eine weitere Antwort parat. Ein Aspekt der Faszination Oper sei es, dass es schon beinahe etwas Archäologisches habe, ältere Werke auszugraben und für sich zu überprüfen, was davon heute noch Bestand hat. Man könne diese Werke nie wieder genauso aufführen, wie damals gedacht. Aber man könne die Gefühle, die die Komponisten in ein Werk gesetzt haben, versuchen zu transportieren.

Von Sabrina Ilona Teufel

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