Präventionsprogramm zu Diabetes

Fachfrau für Gesundheitssport: Marijke Fischer. Foto: Schönholtz/nh

Bad Hersfeld. Sieben Millionen Deutsche leiden an Diabetes. Tendenz: steigend. Deshalb gibt es unter dem Motto "Fit und gesund älter werden" ein Präventionsprojekt der Landesärztekammer und des Landkreises Hersfeld-Rotenburg.

Ziel dieses Projektes ist es, über die Risiken von Diabetes aufzuklären. Kürzlich fand in Bad Hersfeld ein Aktionstag zum Thema statt. Marijke Fischer, Fachfrau für Gesundheitssport, ht uns geholfen, wichtige Fragen zum Thema Diabetes und Sport zu beantworten.

Warum sollte ich mich so viel wie möglich bewegen?

„Wichtig ist es, dass die Leute sich überhaupt bewegen“, sagt Marijke Fischer, die als Vorstandsmitglied des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg unter anderem die Gesundheitssport-Sparte betreut. Mit Mitte 40 bis 50 käme häufig unser ungesunder Lebensstil raus, sagt sie. Dann sei regelmäßige Bewegung gefragt - egal ob man schon Diabetes-Typ-2-Patient ist, oder genau dem vorbeugen will.

Wie genau soll Bewegung helfen?

Der Körper der häufig an Übergewicht und Bewegungsmangel leidenden Typ-2-Diabetiker produziert zwar noch genug Insulin, doch die Zellen können es nicht mehr richtig verwerten. Wer sich regelmäßig bewegt, steigert seine Insulinsensibilität, so dass die Zellen wieder besser auf das vorhandene Insulin reagieren und der Blutzuckerspiegel sinkt. Zudem gewinnen die Muskeln die Energie, welche sie für ihre Arbeit brauchen, zunächst aus den Speichern in den Zellen. Sind diese leer, kommt Nachschub aus dem Blut - auch dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. So kommen sportliche Diabetiker in der Regel mit weniger Medikamenten aus. Außerdem lässt Bewegung die Pfunde purzeln, verbessert die Blutfettwerte und stärkt Herz und Kreislauf.

Doch nicht nur an Diabetes Erkrankte sollten auf ihren Lebensstil achten. Auch zur Prophylaxe ist das nötig. Das Bewusstsein, sich gesund zu ernähren plus regelmäßige Bewegung seien das A und O, verrät Marijke Fischer.

Worauf muss ich ganz besonders achten?

Durch Insulinspritzen oder Insulin freisetzende Medikamente halten Diabetes-Patienten ihren Blutzuckergehalt sowieso relativ niedrig. Dies müssen sie - egal ob Typ 1 oder 2 - bei körperlicher Aktivität stets beachten. So muss der Zuckerhaushalt bei Sport angepasst werden, um eine Unterzuckerung zu verhindern. Ob und wie genau Medikamentendosis und Ernährung dabei verändert werden müssen, hängt unter anderem auch vom eigenen Fitnesszustand, sowie der Art und Länge der Anstrengung ab.

Wie viel Belastung ist gut für mich?

Eine Antwort, die immer richtig und für jeden verbindlich ist, gibt es nicht. Gängige Faustregeln für Typ-2-Diabetiker sind drei bis viermal pro Woche 30 bis 60 Minuten oder täglich etwa 30 Minuten zusätzliche Bewegung.

Welche Sportarten sind geeignet?

Alles, was die Ausdauer trainiert, meint Marijke Fischer. „Walking oder Schwimmen zum Beispiel - auch Gymnastik ist ok.“ Radfahren, Joggen und Wandern sind weitere beliebte Alternativen. Eine Motivationshilfe können dabei Sportgruppen sein, von denen es auch in unserem Landkreis zahlreiche gibt. Prima lassen sich zusätzliche Kalorien außerdem auch im Alltag verbrauchen: Fahrrad statt Bus, Treppe statt Lift, und mittags nach dem Essen mal eine Runde um den Block statt ein Schwätzchen auf der Bank.

Kann ich jetzt sofort loslegen?

Bevor es losgeht, gilt: Ab zum Hausarzt oder Sportmediziner, vor allem wenn Sie lange Zeit körperlich nichts gemacht haben. Der Arzt ist außerdem ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um die Anpassung der Insulintherapie gilt.

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