HZ-Interview mit Bürgermeister Hartmut H. Boehmer zur DAK-Aktion „bunt statt blau“

Die Prävention fördern

Aktiv gegen das Komasaufen: Bürgermeister Hartmut H. Boehmer (re.) und Vertreterinnen der Aktion „Lolls ohne Prolls“ beim Lullusfest vor der Saftbar am Linggplatz. Unser Archivbild zeigt: Luisa Vetter, Carolin Bartz, Christina Linke, Katharina Lippert und Daniela Heinz (v.li.) mit dem Feuermeister. Foto: Strecker

Bad Hersfeld. Die Krankenkasse DAK hat mit ihrem Plakatwettbewerb „bunt statt blau“ dem Komasaufen den Kampf angesagt. Wir sprachen mit Bad Hersfelds Bürgermeister Hartmut H. Boehmer über die Probleme von Jugendlichen mit Alkohol.

Sie haben die Schirmherrschaft für den neuen DAK-Plakatwettbewerb „bunt statt blau“ für die Stadt Bad Hersfeld übernommen. Warum?

Hartmut H. Boehmer: Der Alkoholkonsum von Jugendlichen ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Arbeit. Deshalb begrüße und unterstütze ich die DAK-Initiative in unserer Stadt sehr gerne.

Wie groß ist das Alkoholproblem bei Kindern und Jugendlichen?

Boehmer: Insgesamt geht der regelmäßige Alkoholkonsum zurück. Das ist erfreulich. Gleichzeitig nimmt aber das so genannte Komasaufen stark zu. Im Jahr 2008 mussten in Hessen mehr als 1600 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Hier im Landkreis waren es immerhin 50 Jugendliche. Besondere Sorgen machen mir die Kinder im Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Bei dieser sehr jungen Gruppe ist die Zahl der Alkoholvergiftungen leicht zurückgegangen. Dennoch mussten 13 Kinder im Krankenhaus behandelt werden.

Was tut die Stadt Bad Hersfeld dagegen?

Boehmer. Für uns war dies mit ein Grund, die Aktion „Lolls ohne Prolls“ zum Lullusfest im letzten Jahr ins Leben zu rufen. Hier wurde durch Plakate, Flyer und T-Shirts auf die Problematik aufmerksam gemacht. Des weiteren haben wir in Zusammenarbeit mit der Drogen- und Suchtberatungsstelle der Diakonie einen Getränkewagen – der ausgeliehen war – mit alkoholfreien Cocktails auf dem Linggplatz stationiert. Diese Alternative zu den alkoholischen Getränke wurde so gut angenommen, dass wir gemeinsam einen eigenen Wagen angeschafft haben. Dieser wird zur Zeit eingerichtet und steht dann auch für Schulveranstaltungen zur Verfügung.

Wie kann aber grundsätzlich der erschreckende Trend bei vielen Jugendlichen zum Komasaufen gestoppt werden?

Boehmer: Zum einen brauchen wir eine effektivere Kontrolle beim Jugendschutzgesetz. Überall dort, wo Alkohol verkauft wird, sollte eine Ausweiskontrolle bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren selbstverständlich sein. Gleichzeitig muss die Alkoholprävention in den Schulen weiter gefördert werden. Deshalb freut es mich besonders, dass die DAK auch rund 600 Schulen in Hessen in die Aktion einbindet.

Reicht das?

Boehmer: Es ist natürlich auch wichtig, dass in den Klassen offen über das Problem gesprochen wird. Nicht zuletzt müssen auch die Eltern einbezogen werden. Sie müssen ihre Kinder stark machen, um selbstbewusst „Nein“ zum Alkoholmissbrauch zu sagen.

Welche Wirkung kann ein Plakatwettbewerb haben?

Boehmer: Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte – gerade bei Kindern und Jugendlichen. Lassen wir uns überraschen, mit welchen Ideen die jungen Künstler ein Zeichen gegen das Komasaufen setzen wollen. Ich freue mich schon jetzt auf die Ergebnisse. Vielleicht schafft es ja ein sogar hessischer Künstler zum Bundessieger.

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