Kundgebung in der Schilde-Halle - Zustellung verzögert sich

Rund 1000 Postbeschäftigte zogen durch Bad Hersfeld

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Bad Hersfeld. Rund 1000 Postbeschäftigte aus Ost-, Mittel- und Nordhessen sind am Donnerstagvormittag lautstark durch Bad Hersfeld gezogen, um für eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit zu demonstrieren. Unterstützt wurden sie von einigen Amazonieren.

Zu dem Warnstreik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Als Streiklokal für die vielen Teilnehmer, die zum Großteil mit Bussen angereist waren, diente die Bad Hersfelder Schilde-Halle. Von dort aus zogen sie begleitet von der Polizei durch die Innenstadt zum Lullusbrunnen vor dem Rathaus, wo unter anderem Klaus Schüller, Vorsitzender des DGB Osthessen sprach. "Die Post verdient genug", hatte zuvor die Geschäftsführerin von Verdi Osthessen, Angelika Kappe, den Streikenden zugerufen.

Wegen des Streiks bleiben erneut Briefe und Pakete liegen, insbesondere in den Städten Kassel, Fulda, Gießen, Marburg, Wetzlar, Bad Hersfeld, Alsfeld sowie den angrenzenden Gemeinden. Durch den Streik werde sich die Zustellung von insgesamt zirka 1,1 Millionen Briefen und zirka 70-000 Paketen verzögern, so Verdi.

"Die Post wird immer mehr und die Bezirke werden immer größer", erklärte ein 55-jähriger Zusteller aus Fulda. Dazu kämen immer mehr Wurfsendungen, die haushaltsdeckend verteilt werden müssen. "Die jungen Kollegen tun mir leid", meinte der Fuldaer mit Blick auf die seiner Meinung nach immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen. Unterschiedliche Verträge führten darüber hinaus zu Verstimmungen, so der Streikende.

Von "asozialer Profitgier" und "Tarifflucht" sprach Verdi-Landesbezirksleiter Jürgen Bothner bei seinem Auftritt in der Schilde-Halle. Für gute Arbeit müsse es auch gutes Geld geben.

Verdi fordert für die bundesweit rund 140.000 Tarifkräfte des Unternehmens eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die entsprechenden tarifvertraglichen Regelungen wurden zum 31. März 2015 gekündigt. Die erste Verhandlungsrunde vom 19. März endete ohne ein Angebot des Arbeitgebers. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 14. April in Berlin statt.

Der Tarifkonflikt wird laut Verdi befeuert durch "Vertragsbruch und Tarifflucht" seitens der Deutschen Post AG. Diese hatte im Januar angekündigt, Tausende von Arbeitsplätzen in eine neue Gesellschaft auszulagern. Die Gewerkschaft sieht darin den Bruch des Vertrages zum Schutz vor Fremdvergabe durch die Deutsche Post AG und ihre Flucht aus dem bestehenden Haustarifvertrag.

Detlev Borowsky, Fachbereichsleiter Postdienste und Speditionen: „Vertrag kommt von vertragen. Wer wissentlich einen Vertrag bricht, muss mit entschiedenem Widerstand rechnen. Mit dieser Tarifvertragsforderung nach Wochenarbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich können wir den Vertragsbruch kompensieren. Eine Wochenarbeitszeitverkürzung schafft zusätzlichen Beschäftigungsbedarf und kann so die vorhandenen Beschäftigten bei der Deutschen Post AG schützen.“ (red/nm)

Post-Streik: Kundgebung in Bad Hersfeld

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