Jeder Zehnte nutzt das Angebot der Briefwahl - weniger als bei Bundestagswahl

Per Post statt an die Urne

Erst blau, dann rot: In den ersten Umschlag kommt der Stimmzettel, in den zweiten dann der Brief an die Stadt oder Gemeinde. Unser Foto stammt von der hessischen Landtagswahl 2009. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Sonntagmorgen-Spaziergang zum Wahllokal? Für viele Wahlberechtigte fällt ein solches Ritual am 27. März aus. Sie haben ihre Stimme für die Wahl zum Kreistag, Stadt- oder Gemeindeparlament und Ortsbeirat bereits per Post abgegeben – oder werden das noch tun. In Bebra zum Beispiel weiß Wahlleiter Friedhelm Eyert schon jetzt von 1020 Menschen, die sich die Briefwahlunterlagen haben zukommen lassen – von 10 960 Wahlberechtigten. Das ist fast jeder Zehnte. Vor fünf Jahren bewegte sich die Quote in einem ähnlichen Bereich.

Umfangreicher Wahlzettel

Noch keine aktuellen Zahlen hat der Landkreis Hersfeld-Rotenburg parat. „Wir können nicht sagen, ob mehr Menschen als sonst per Brief wählen, oder warum sie das möglicherweise tun“, sagt Kreiswahlleiter Dieter Scheer, schiebt aber eine Vermutung nach: „Weil die Kommunalwahlstimmzettel umfangreicher und komplexer sind als beispielsweise die bei Bundestagswahlen.“ In der Tat sorgt die Möglichkeit zum Kumulieren und Panaschieren dafür, dass aus dem Zettel ein beachtliches Heft wird. „Das macht viele Wähler etwas unsicher, sie wollen sich den Stimmzettel zu Hause in Ruhe anschauen und nicht überhastet ihre Kreuze setzen.

Hilfe für Wahlhelfer

Scheers Stellvertreter Karl Knierim gibt zu, dass in diesem Fall eine hohe Zahl an Briefwählern auch den Wahlhelfern durchaus in die Karten spielt. „Es hilft ja niemandem, wenn jemand in der Wahlkabine steht und vielleicht noch unsicher ist, wie er wählen darf.“

Gezählt werden die Briefwahlstimmen laut Scheer übrigens nicht vor 18 Uhr, dem Schließen der Wahllokale, auch wenn sie schon lange vorliegen. Lediglich die roten, an die Kommune adressierten Briefumschläge werden geöffnet - nicht die blauen, in denen sich die ausgefüllten Stimmzettel befinden.

Für Bebras Wahlleiter Friedhelm Eyert hat die Komplexität der Stimmzettel allerdings nichts mit der Zahl der Briefwähler zu tun. Er belegt das mit Zahlen: Bei der Landrats-Direktwahl vor zwei Jahren wählten nur 6,2 Prozent der Wahlberechtigten in Bebra per Brief. Bei der Bundestagswahl im selben Jahr nutzten dagegen mehr als zwölf Prozent diesen Weg - in ähnlichen Regionen bewegen sich die Quoten der Bundestagswahlen 2002 und 2005, bei den Landtagswahlen 2003 und 2007 zwischen acht und zehn Prozent.

Bei diesen beiden Urnengängen waren die Stimmzettel mutmaßlich übersichtlicher und weniger umfangreich als bei Kommunalwahlen.

Von Rainer Henkel

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