Tanita Tikaram sprach mit der HZ über ihre Musik, Veränderungen und Bad Hersfeld

Popstar mit deutschen Wurzeln

Gut gelaunt: Tanita Tikaram (links) und HZ-Mitarbeiterin Nicole Wagner. Foto: Wagner

Bad Hersfeld. Eine zierliche, zurückhaltende Person streckt mir freundlich ihre Hand entgegen und begrüßt mich mit einem schüchternen „How are you?“. Dann sitzt die britische Sängerin Tanita Tikaram neben mir auf einer Couch inmitten der Schilde-Halle, in der sie eine Stunde später die Menschen mit ihrer Stimme begeistern wird. „Ich hasse es, in großen Arenen aufzutreten. Die Intimität geht dabei verloren“, erklärt sie ihre Begeisterung für die Halle in der Festspielstadt. „Meine Musik passt heute auch eher in einen kleineren Rahmen.“

Nach fast zehn Jahren Bühnenabstinenz hat die 43-jährige Britin wieder Spaß daran, ihre Musik live zu präsentieren. „Nervös bin ich aber trotzdem noch“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Die Frage, warum sie sich so lange Zeit gelassen hat, ihr aktuelles Album „Can’t go back“ zu produzieren, beantwortet sie mit dem Bekenntnis, dass sie lange nach den richtigen Produzenten suchen musste. „Es gab einige Versuche, die schief gegangen sind, deshalb hat es eine Ewigkeit gedauert“, erläutert sie. „Aber es ist besser geworden als ich mir erhofft hatte.“ In Musiker Paul Bryan hat sie zu guter Letzt den richtigen Produzenten für ihr achtes Studio-Album gefunden, dessen erste Single-Auskopplung „Dust on my shoes“ im vergangenen Juli veröffentlicht wurde.

Freiheit und Akzeptanz

Das Album selbst handelt von allen Formen der Freiheit, die ein Mensch haben kann. „Es geht um die persönliche Freiheit, das zu tun, was man möchte. Und um die musikalische Freiheit, die ich mittlerweile habe“, erzählt Tanita Tikaram ruhig. „Es geht darum, sich selbst zu akzeptieren und sich nicht mehr verbiegen zu müssen. Das ganze Album handelt von der Bewegung im eigenen Denken. Und es ist sehr unterhaltsam.“ Der Titel-Song des Albums, „Can’t go back“, ist sehr persönlich für die Künstlerin. Er handelt davon, dass man seinen Frieden schließen muss mit Vergangenem. „Man muss sich damit abfinden, dass man andere nicht verändern kann.“

Ein bisschen scheint es, als spräche sie aus persönlicher Erfahrung, denn einfach hatte sie es nicht immer. Als Tochter eines britischen Soldaten und einer malaysischen Mutter wurde sie 1969 in Münster geboren und verbrachte dort die ersten zwölf Jahre ihres Lebens. Nach ihrer Rückkehr nach England im Jahr 1981 entschied sie sich, Musikerin zu werden.

Vier Millionen Mal verkauft

1988 erreichte sie internationale Bekanntheit, als ihr Debut-Album „Ancient Heart“ über vier Millionen Mal verkauft wurde. Damals war sie gerade einmal 19 Jahre alt. Ihre folgenden Alben konnten allerdings nicht an den Erfolg des Erstlings anknüpfen. „Das Musikgeschäft hat sich seitdem verändert“, erklärt sie. „Live-Musik ist heute bedeutsamer als damals.“

In Deutschland fühlt sich Tanita Tikaram immer noch wohl. „Alles ist sehr vertraut und ich mag die deutsche Sprache.“ An viele deutsche Sätze erinnert sie sich dennoch nicht mehr, aber die Worte, die ihr spontan einfallen, sind „spazieren gehen“. „Es ist komisch, aber die fallen mir immer ein.“

Vor ihrem Konzert war dafür keine Zeit. „Aber morgen habe ich frei und möchte mir Bad Hersfeld anschauen.“ Dann wechseln wir die Rollen, und sie stellt mir eine Frage. „Was muss man in Bad Hersfeld unbedingt sehen?“ Lächelnd empfehle ich ihr, der altehrwürdigen Stiftsruine einen Besuch abzustatten.

Von Nicole Wagner

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