Urban Priol legte drei Stunden lang die Schwächen der Regierenden frei

Politisches Dauerfeuer

Wenn Urban Priol auf der Bühne drei Stunden lang eine Attacke nach der anderen auf die Damen und Herren Politiker abfeuert, stehen ihm die Haare zu Berge und das alkoholfreie Hefeweizen wird lauwarm. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Der wirre Haarkranz und die bunten Hemden sind sein Markenzeichen. Doch das, was Urban Priol von der Bühne der voll besetzten Stadthalle auf sein bestens gelauntes Publikum abfeuert, das ist alles andere als wirr. Urban Priol ist ein politischer Kabarettist der alten Schule. Natürlich verzichtet er in seinem dreistündigen Programm nicht auf ein paar Anmerkungen über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen („Frauen sind die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert“), doch ganz überwiegend geht es um Politik.

Auf dem neuesten Stand

Und weil es da ständig Neuigkeiten gibt, ist auch Urban Priol auf dem neuesten Stand und baut sogar die Dinge, die ihm sein Tablet-Computer in der Pause verrät, noch aktuell ein. Munter zieht er über alle her, die in diesem Land das Sagen haben oder meinen, etwas sagen zu müssen. Da geht es natürlich nicht ohne Angela Merkel, das „unbefleckte Verhängnis“, und ihren Stellververtreter, den „dicken Siggi“. Aber auch der „pastorale Schwurbler“ Gauck, das „blonde Fallbeil“ von der Leyen, „Drohnen-Tommy“ de Maizière, das „Finanzfossil“ Wolfgang Schäuble, der „Alpen-Taliban“ Horst Seehofer, „Putins Gasableser“ Gerhard Schröder oder Peter Hartz, „der Nutten-König von VW“, von denen er viele treffend parodiert, kriegen ihr Fett weg. Großzügig teilt Urban Priol nach allen Seiten aus, macht in seiner pointierten Zusammenfassung der Politik in Bund und Land auf deren Absurditäten aufmerksam und wundert sich immer wieder, warum die Menschen sich so Vieles einfach gefallen lassen: das Abgehörtwerden durch den amerikanischen Geheimdienst NSA, zum Beispiel, die Rentenreformen, die Steuerverschwendung oder immer wiederkehrende Rituale, wie den Weltklimagipfel, bei dem viel geredet, aber nichts wirklich beschlossen wird.

Urban Priol macht deutlich, wie Politik und Medien die Befindlichkeiten der Stammtisch bedienen und wie ihn die Ungerechtigkeiten und der Widersinn vieler Entscheidungen auf die Palme bringen. Da hilft es auch nichts, wenn er zu seinen Yoga-Übungen laut muhend auf den Tisch auf der Bühne klettert. Kein Wunder also, dass dem Mann die Haare zu Berge stehen. Das kühle Bier zum Abschluss und reichlich Beifall hat er sich jedenfalls redlich verdient.

Von Christine Zacharias

Kommentare