Führerschein ab 16 Jahren wird abgelehnt

„Politischer Schnellschuss“

Mit 16 Jahren schon ans Steuer? Wohl eher nicht. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Um Jugendliche vor allem auf dem Land mobiler zu machen, zum Beispiel wenn es um den Weg zur Ausbildungsstelle geht, und deren Abwanderung aus dem ländlichen Raum zu stoppen, wird in der CDU derzeit über einen Führerschein schon ab 16 Jahren diskutiert – mit der Auflage, dass die Jugendlichen maximal Tempo 80 fahren dürften.

Verkehrsminister Peter Ramsauer hat den Vorschlag bereits als „Unfug“ abgeschmettert und auch seine Länder-Kollegen und der ADAC geben sich kritisch, ganz vom Tisch ist der Vorstoß aus dem Programm der CDU für den ländlichen Raum aber noch nicht.

Im Kreis ist man jedenfalls ebenso wenig begeistert von der Idee. Als „Schnellschuss“ und „Politikum“ bewertet Wolfgang Weigelt von der Fahrschule Weigelt in Bad Hersfeld den Vorschlag.

Geistige Reife ist wichtig

„Ich denke auch nicht, dass der Führerschein ab 16 Jahren gut angenommen würde“, so der Fahrlehrer mit über 30-jähriger Erfahrung. Auch die geistige Reife ist für Weigelt ein wichtiger Aspekt. „Es macht schon einen Unterschied, ob ich 15, 16 oder 17 Jahre alt bin.“ Was das begleitete Fahren ab 17 Jahren betrifft, habe er aber bis jetzt sehr positive Erfahrungen gemacht.

Markus Mihm von der Bad Hersfelder Fahrschule Mihm findet einen Führerschein ab 16 Jahren ebenfalls unnötig. „Sinnvoller wäre es, den Führerschein für Mofas und Kleinkrafträder wieder auf 14 Jahre herunterzusetzen und für die Klasse M, die Kleinkrafträder, wieder Tempo 50 einzuführen“, meint Mihm. Seit 1999 dürfen Mofas erst ab 15 und Roller ab 16 Jahren gefahren werden, das Tempolimit beträgt 45 Kilometer pro Stunde. „Das würde die Jugendlichen auch mobiler machen.“

Zudem seien 2008 Pläne, das Alter für Mofa und Roller wieder herunterzusetzen, vom Verkehrsgerichtstag wegen mangelnder Reife abgelehnt worden. Somit wäre der Autoführerschein ab 16 Jahren auch „Quatsch“. „Und wer sollte das Tempolimit kontrollieren?“, fragt sich Markus Mihm.

Bei der jetzigen Regelung inklusive des Fahrens mit 17 Jahren in Begleitung sollte es auch laut Reinhold Bleß von der Kreisverkehrswacht bleiben. „Die Fortbewegung auf dem Land ist durch die Kommunen und den Kreis ordentlich geregelt“, so Bleß mit Blick auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Er selbst habe früher mit der Bahn zur Ausbildungsstelle fahren müssen. „Die Verkehrsverhältnisse hier sind auch nicht mit denen in den USA zu vergleichen, wo schon 16-Jährige Autofahren dürfen.“

Eine Ausnahmeregelung vom Mindestalter für die Erteilung von Fahrerlaubnissen gibt es übrigens schon, diese wird in der Praxis aber wenn überhaupt nur im landwirtschaftlichen Bereich erteilt (siehe Hintergrund).Umfrage

Von Nadine Maaz

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