Politiker und Journalisten

Kai A. Struthoff

Christa Bittner wird heute zum letzten Mal als Vize-Landrätin im Kreistag sitzen. Am Jahresende geht die streitbare Sozialdemokratin in den Ruhestand und ihre Nachfolgerin, Elke Kühnholz, muss in große Fußstapfen treten. Ich gebe zu, manchmal hat mich Christa Bittner regelrecht schwindelig geredet. Dann nämlich, wenn sie zum Pressetermin in den Dschungel der Arbeitsförderung geladen hatte und jene Programme mit oft unverständlichen Abkürzungs-Namen vorstellte, die so vielen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Christa Bittner hat sich stets für die Schwachen engagiert und hat für jeden ein offenes Ohr. Gut zu wissen, dass diese engagierte Frau dem Kreis verbunden bleibt und aktiv als Mitbegründerin der Zukunftsakademie weiter arbeiten will.

Ein anderer engagierter Sozialdemokrat ist Bad Hersfelds Stadtverordentenvorsteher Dr. Rolf Göbel. In einer Zeit, in der andere laut über die von oben verordneten Grausamkeiten klagen, entwickelt er Visionen für die Zukunft. Nach seiner charmanten Idee, Bad Hersfeld als Stadt der Kaiser und Könige zu vermarkten, hat er jetzt vorgeschlagen, die Stadtverordnetenversammlung von jetzt 45 auf 37 Abgeordnete zu verkleinern, um so Geld zu sparen. Gewiss, 30 Euro Aufwandsentschädigung pro Sitzung und Abgeordneten sind nicht die Welt, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.

Doch sein Vorschlag scheiterte am Widerstand der CDU. Eigentlich unverständlich, denn gerade die Christdemokraten geißeln stets jede Geldverschwendung. Hinzu kommt, dass häufig gerade Abgeordnete der CDU-Fraktion durch Abwesenheit im Stadtparlament auffallen. Unsere Nachbarn in Ludwigsau sind da weiter. Dort wurde in der letzten Woche beschlossen, das Gemeindeparlament zu verkleinern. Freilich nicht nur um zu sparen, sondern auch weil Parlamentarier knapp werden. Ehrenamtliches politisches Engagement ist leider nicht mehr so gefragt. Kein Wunder, das Geschäft ist in dieser Zeit ja auch undankbar.

Davon weiß auch Bad Hersfelds Bürgermeister Hartmut H. Boehmer ein Lied zu singen. Ihm droht jetzt offenbar sogar die sprichwörtliche rheinische Frohnatur abhanden zu kommen. Erst der Ärger um die Kurtaxe, nun die Zweitwohnungssteuer, die immer mehr Fragen aufwirft. Dazu bekümmert ihn die Finanzsituation. Und wenn es nicht ganz rund läuft, ist daran immer auch die Presse schuld – weil wir zu viel, zu wenig oder nicht das Richtige berichten. Jetzt fühlte sich der Bürgermeister sogar bemüßigt, „Henner und Marie“ in die Schranken zu weisen. Hallo?

Dabei hatte sich die freche Marie, wie sicher andere auch, nur gefragt, warum in Zeiten leerer Kassen ein neuer Gehweg am Peterstor gebaut wird. Jetzt wissen wir’s – siehe unten.

Verloren ist, wer den Humor verlor, hat Otto Julius Bierbaum mal gesagt. Aber der war ja auch nur so ein Journalist.

struthoff@hersfeld-zeitung.de

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