Erfahrungsaustausch zum Thema Flüchtlinge mit Staatsminister Michael Roth

Politik trifft Wirklichkeit

Flüchtlingsdiskussion im Buchcafé: Gastgeberin Monika Schmidt (links) begrüßte Staatsminister Michael Roth, der Manfred Koch, Mahmut Özdemir, Sabine Kropf-Brandau und Hend Claus (von links) eingeladen hatte. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Politik trifft Wirklichkeit: das hätte als Titel über einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Flüchtlingen im Bad Hersfelder Buchcafé stehen können, zu der der Bundestagsabgeordnete und Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD) eingeladen hatte.

Denn die Redebeiträge des Duisburger MdB Mahmut Özdemir, des Kirchheimer Bürgermeisters Manfred Koch, der Pröpstin im Sprengel Hersfeld, Sabine Kropf-Brandau sowie der Integrationshelferin Hend Claus aus Eschwege waren Erfahrungsberichte aus der Praxis – wenn auch aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

Mahmut Özdemir, im Ruhrpott geborenes Kind türkischer Einwanderer, bekannte sich zu einem „gespaltenen Verhältnis zur Integration“, weil Demokratie seiner Ansicht nach die Teilhabe aller benötige. „Parallele Spielwiesen“ wie etwa Ausländerbeiräte sieht er deshalb nicht unkrtitisch und sagt, man wolle „die mitnehmen, die Willens sind“. Andere, die sich auch hier in ihrer Kultur abkapseln, müsse man dann eben zurücklassen.

Auch eine „Integrationsvereinbarung“ hält Özdemir für überflüssig: „Die deutsche Sprache und das Grundgesetz“ reichten dafür aus.

Von Freitag auf Montag

Manfred Koch berichtete über die Herausforderung, von Freitag auf Montag die Unterbringung von mehreren hundert Flüchtlingen im örtlichen Motel-Center zu bewerkstelligen und bemängelte dabei die schlechte oder gar nicht erst stattfindende Kommunikation mit den übergeordneten Behörden. Hemdsärmelig, wie es Kochs Art ist, meisterte der Rathauschef mit seinen Mitbürgern die Situation trotzdem.

Geht nur mit Menschen

„Integration funktioniert nur mit Menschen, nicht mit Behörden“, bestätigte auch Hend Claus, die aus Eritrea stammt und seit 28 Jahren in Deutschland lebt. Sie versicherte, dass kein Flüchtling „aus Jux und Tollerei“ nach Deutschland komme. Jeder brauche eine Chance, doch am Ende liege es an den Menschen selber, ob die Integration gelinge.

Sabine Kropf-Brandau bekräftigte den Anspruch der Kirche, den politischen Meinungsprozess mitzugestalten. „Christen und Christinnen stellen sich dieser Aufgabe,“ sagte sie. Denn wenn Flüchtlinge die Gottesdienste besuchten, sei die jeweilige Religion nicht entscheidend: „Sie werden dort willkommen geheißen. Darauf kommt es an!“ sagte die Pröpstin.

Gedacht war die Veranstaltung nicht nur als „klitzekleiner Beitrag“, miteinander ins Gespräch zu kommen, sondern auch als Dankeschön an alle Helfer, die sich für Flüchtlinge engagiert haben. Deshalb gab's nach der Diskussionsrunde auch noch Kaffee und Kuchen.

Von Karl Schönholtz

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