Warum Juso Pascal Barthel auch im Alter von 14 die SPD gewählt hätte - Ein Interview

Politik muss Spaß machen

Hersfeld-Rotenburg. Pascal Barthel aus Bad Hersfeld beginnt jetzt seine zweite Amtszeit als Bezirksvorsitzender der Jusos Hessen-Nord. Die plakativste Forderung der Jungsozialisten ist momentan die Einführung des Wahlrechts ab 14. Wir fragten noch einmal nach, wie sinnvoll das ist.

Herr Barthel, nach Ihrer Wahl haben Sie gesagt, es werde in der Politik zu wenig auf junge Leute eingegangen. Soll die neueste Forderung der Jusos nach einem Wahlrecht das ändern?

Pascal Barthel: Ja, schon. Wir gehen nämlich davon aus, dass junge Leute eine sehr geringe Lobby haben, weil sie erst ab 18 wählen dürfen. Mit der Forderung wollen wir den Blickpunkt darauf legen, dass auch ein 14-Jähriger oder 16-Jähriger sagen kann, dass ihm beispielsweise die Preise fürs Schwimmbad zu hoch sind oder Schulsozialarbeit erhalten bleiben soll. Da stecken die ja alle mittendrin und kriegen das auch mit.

Warum gehen Sie davon aus, dass die 14-Jährigen, wenn Sie wählen dürften, dann die SPD wählen?

Barthel: Ich glaube nicht, dass alle 14-Jährigen dann uns wählen. Da steckt auch nicht nur der Parteigedanke dahinter und dass wir stärker werden sollen. In erster Linie geht es darum, Verantwortung und Mitbestimmung auch den unter 18-Jährigen zu geben. Wir haben im Gegensatz zur CDU aber schon das deutlich jüngere Programm.

Sie meinen damit die Forderung nach kostenfreier Bildung?

Barthel: Genau. Das merkt man in Marburg an den Uni-Streiks. Aber auch die Schüler sind in den letzten Jahren politisch sehr aktiv geworden, was G8 und Turbo-Abi angeht. Da würden wir wohl die eine oder andere Stimme bekommen.

Wen hätten Sie denn im Alter von 14 gewählt?

Barthel: (lacht) Gute Frage. Ich bin in die Politikarbeit aktiv eigentlich erst nach dem Abitur eingetreten. Ich glaube, dass ich zwangsläufig bei SPD oder den Grünen gelandet wäre - einfach durch den engen Bezug zur Schulpolitik. Ich hab damals schon gesagt, dass wir kein Gymnasium brauchen in Hersfeld. Das ist ja eine plakative Forderung von CDU und FDP. Da habe ich auch mit 14 schon nicht die Relevanz gesehen.

Wie wollen Sie denn speziell auf die Bedürfnisse der Jugendliche eingehen?

Barthel: Wir wollen mit den Schülerinnen und Schülern stark zusammenarbeiten und schauen, was Sie von der Forderung halten und darüber mit ihnen diskutieren.

Haben Sie das vor Ihrer Forderung nicht geklärt?

Barthel: Wir haben keine empirische Umfrage gemacht, aber wir haben viele Aktive, die unter 18 sind und von denen kommt natürlich auch der Impuls. Wir haben da schon reagiert auf das, was uns zugetragen wurde.

Muss Politik heute cool sein?

Barthel: Politik muss sich zumindest darauf einstellen, dass man junge Menschen anders erreicht. Man bekommt nicht jeden Jugendlichen, der ein bisschen politisch interessiert ist dadurch, dass man sagt: Guck die Tagesschau und Maybrit Illner.

Wir versuchen, unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten zu bieten. Da ist das Inhaltliche nur ein Weg, ein anderer ist das Projekt „Rock gegen Rechts“. Wir werden dieses Jahr gemeinschaftliche Aktionen starten. Wir fahren im Mai nach Wiesbaden und gucken uns mit interessierten Leuten den Landtag an. Politik muss nämlich Spaß machen.

Warum engagieren Sie sich gerade für die SPD?

Barthel: Es war der Bundestagswahlkampf 2005, als ich dazu gekommen bin. Ich hatte vor Jura zu studieren und habe vorher noch ein Praktikum gemacht beim Bundestagsabgeordneten Michael Roth und dadurch einen starken Einstieg bekommen: Heiße Wahlkampfphase und gleich mittendrin. Dieses Plakative: „Komm in die Politik und dann geht da gar nichts mehr, da wirst du ausgebremst“ – hat bei mir nicht gestimmt. Eher das Gegenteil. Ich habe gemerkt, das man was verändern kann, wenn man es wirklich will und sich reinhängt.

Was wollen Sie in Ihrer zweiten Amtszeit als Bezirksvorsitzender bewirken?

Barthel: Wir bereiten uns jetzt schon auf die Kommunalwahl am 27. März 2011 vor. Die Bundesregierung sorgt ja dafür, dass es reichlich Themen gibt, über die wir unsere Meinung kundtun können. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg starten wir außerdem eine Aktion gegen die Kopfpauschale und für die Bürgerversicherung.

Von Judith Strecker

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