Lieblingsorte: Armin Jung (Grüne) plaudert im beschaulichen Neuerode über Politisches und Persönliches

Politik am Küchentisch gelernt

Armin Jung an seinem Lieblingsort: Hoch über Eschwege hat man von der Terrasse des Restaurants Leib & Seele im beschaulichen Örtchen Neuerode bei gutem Wetter einen herrlichen Blick ins Werratal. Foto: D.S.

Eschwege. Bei Familie Jung in Abterode ging es abends am Küchentisch zuweilen ziemlich laut zu. Und wenn sich die Nachbarn dann am nächsten Tag erkundigten, was denn wieder losgewesen sei, sagte Mutter Jung: „Ach der Wolfgang und der Armin haben sich beim Abendbrot wieder mal über Politik unterhalten.“

Politik spielte bei Armin Jung, der für Bündnis 90/Die Grünen jetzt im Wahlkreis 169 (Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner) für den Bundestag kandidiert, schon immer eine Rolle. Es war eine sehr politische Zeit, in der der heute 54-Jährige aufgewachsen ist, in der, nach den 1968er Jahren, die Jungen gegen die Alten, Etablierten aufbegehrten. Vater Jung saß für die SPD in verschiedenen Gemeindeparlamenten, erst in Breitenbach, später in Meißner. „Man hat sich ständig aneinander gerieben“, sagte Jung, „aber so richtig Ärger gab es, als ich bei einer Bürgermeisterwahl der CDU-Mann gewählt habe“.

Als seinen Lieblingsort hat er sich das Restaurant Leib & Seele in Neuerode, das frühere Meinhardsruh, ausgesucht. „Ich mag den Ort mit seiner herrlichen Umgebung“, sagt er. Wenn’s geht, fährt er auf dem Fahrrad die steile Straße nach Neuerode hoch.

In der Politik ist Armin Jung seit zwei Jahrzehnten unterwegs. „Ich habe schon immer grün gewählt, die Partei steht für mich für Menschlichkeit, Glaubwürdigkeit und Zukunftsorientiertheit“, sagt er. Zur aktiven Politik kam er relativ spät. Als Enddreißiger trat er 1995 den Grünen bei, zwischen Eintritt und der Übernahme eines politischen Wahlamtes vergingen weitere zehn Jahre. „Bedächtig und überlegt“, so sieht er sich selbst. Verbale Schnellschüsse aus jeder Lage sind nicht seine Sache. „Das, was man sagt, will überlegt sein und das braucht seine Zeit“, sagt er. Zurzeit ist er Kreistagsabgeordneter und Mitglied der Eschweger Stadtverordnetenversammlung. Auch beruflich ist der Maschinenbauingenieur in der Politik angekommen. Er ist Mitarbeiter der Grünen-Landtagsabgeordneten Sigrid Erfurth.

Jetzt nimmt er selbst Anlauf für den Sprung in den Bundestag – und weiß, dass er scheitern wird. „Wenn mein Ergebnis zweistellig wird, mache ich Luftsprünge“, sagt er. Um über seinen Listenplatz 18 ins Parlament zu rutschen, müssten die Grünen um die 37 holen. „Ich bin Doppelkopfspieler“, sagt er. „Ich spiele immer, um zu gewinnen, weiß aber auch mein Blatt einzuschätzen.“

Und dann war da noch die Sache mit den Primzahlen. Für Nichtmathematiker: Primzahlen lassen sich nur durch 1 und durch sich selbst teilen. bei 3, 5, 7 und vielleicht noch 149 ist das vergleichsweise einfach zu erkennen. Aber: Je höher eine Zahl, desto schwieriger. Jungs Zeitvertreib bei langen Bahnfahrten besteht nun darin, auszurechnen, ob eine Zahl eine Primzahl ist oder nicht. Warum er das macht? „Mathematik ist etwas Großartiges. Sie spiegelt die Struktur unseres Geistes wider“, sagt er.

Von Dieter Salzmann

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