Der Kabarettist Matthias Richling präsentierte sein Bühnenprogramm in der Stiftsruine

Politik in der Kritik

In seinem Element: In Matthias Richlings jüngstem Programm kommt kaum ein Politiker ungeschoren davon.

Bad Hersfeld. Das letzte Abendmahl der Kanzlerin in der Stiftsruine. Das Bühnenbild inspiriert von Da Vinci, mit dem dreireihigen Merkeljackett im Hintergrund. Mittendrin der Satiriker und Kabarettist Matthias Richling.

Widersprüchliche Politik

Bei seinem Auftritt in Bad Hersfeld nahm er am Samstagabend das Publikum in der gut gefüllten Stiftsruine sprachgewandt und wortreich mit auf eine Reise durch die Widersprüchlichkeit der Politik. Es war eine aktuelle politische Momentaufnahme. Keiner blieb verschont in der Inszenierung von Regisseur Günter Verdin.

Die Zuschauer ließen sich mitreißen, konnten sich aber ein paar entsetzte Atemzüge nicht verkneifen.

Den Einstieg fand Richling mit Obama und Osama. Seine Idee wäre es gewesen, Osama in einem Pilgergrab zu bestatten, damit alle „Alqaidäer“ dorthin gepilgert wären. Dort hätte man sie ohne weiteres „abknallen“ können.

Lustig machte sich Richling vor allem darüber, dass der Kachelmann-Prozess scheinbar das einzige sei, wofür Deutschland sich interessiere. Das habe zur Folge, dass auch Frankreich jetzt so einen Prozess haben wolle (Strauss-Kahn).

Die Weltpolitik sei schon ein „mühsames“ Geschäft, schließlich brauche es Japan und Fukushima, damit man die CDU in Baden- Württemberg in die Luft jagen könne.

Die FDP dagegen sei wie Atom. Man könne sie nicht mehr sehen, hören und riechen und trotzdem belästige sie einen. Angela Merkel, in Form des roten Jacketts, legte dar, dass sie die Krise erfolgreich durch das Land geführt habe.

Auch Ronald Pofalla, als Albino der Koalition, und ein Schäuble, der die Bürger als letztes Sparschwein sieht, was angesichts der Krise nun geschlachtet werden müsse, blieben von der Kritikwut Richlings nicht verschont.

Schlüpft in viele Rollen

Der Schwabe parodiert die Widersprüchlichkeiten, indem er in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft. „Armes Deutschland“, denkt man sich. Klimawandel, Missbrauchsfälle, Atommüll, Gentechnik, Onlinedurchsuchung, Afghanistan und Integration. Kein Thema blieb aus.

Kritik an den Politikern eines Landes, das die nächsten Generationen zugrunde bilden will und doch nicht verhindert, dass Mütter ihre Kinder umbringen. Auch in der Stammzellenforschung soll nicht Gott gespielt werden, also importiert man die Stammzellen aus dem Ausland, lässt die anderen machen. Typisch Deutschland.

Von Lea-Marie Brandau

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